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Historische Kultforschung

Heidi Hein, Marburg

Politische Kulte finden sich vor allem in politischen Systemen, die ein Legitimations- oder Identifikationsdefizit haben. Um dieses auszugleichen, bieten sich politische Kulte wegen ihrer sinnlichen Erlebbarkeit besonders an. Sie werden zu Mitteln der Kommunikation der Regierenden mit den Volksmassen und zu ihrer Mobilisierung. Dies weist darauf hin, dass sie ein Phänomen insbesondere moderner Massengesellschaften sind.

Politische Kulte waren jedoch bislang kaum Gegenstand ausführlicher historischer Forschung, obwohl sie durch ihre spezifische Wirkungsweise einen wesentlichen Faktor bei der invention of tradition (Hobsbawm) und bei der Entstehung und Festigung von imagined communities (Anderson) darstellen, da durch sie die Massen emotional gebunden und zu einer communio verschmolzen werden. Insofern ist historische Kultforschung ein notwendiger Beitrag zur Erforschung moderner Massengesellschaften.

Die Verbindung des Begriffes Kult mit einer Person ist in politischer Hinsicht vom Kontext abhängig, da Kult meist als etwas Negatives, der verehrten Persönlichkeit nicht würdiges Phänomen verstanden wird. Beispielsweise konnte der Begriff kul’t ličnosti("Persönlichkeitskult") im Zusammenhang mit Stalin erst nach Nikita Chruščevs, die Entstalinisierung einleitende Geheimrede [1]  auf dem XX. Parteitag der KPdSU vom 30. Juni 1956 verwendet werden, während die Verbindung des Begriffs mit Lenin bis zum Ende der Sowjetunion als Sakrileg galt. Dagegen lässt sich der Begriff Kult beispielsweise für Polen in verschiedenen Zusammenhängen, z.B. bei der Verehrung der Aufständischen in den polnischen "Freiheitskämpfen" des 19. Jahrhunderts, mit durchaus positiven Konnotationen nachweisen. Kult Piłsudskiego, ein zeitgenössischer, seit 1917 zu belegender Begriff dagegen ist sich sowohl mit positiven und negativen Konnotationen versehen worden, wobei beide Deutungen bis heute anzutreffen sind. Der positiv gemeinte Gebrauch von kult gilt etwa auch für den seit 1926 vom Sanacja-Regime vorangetrieben kult państwowości, dem Kult der Staatlichkeit, mit dem die allgemeine Wertschätzung gegenüber demStaat gemeint ist, die den Bürgern nahegebracht werden sollte. [2] 

Obwohl das Phänomen von Personenkulten älter ist und es schon ältere philosophische, religionswissenschaftliche und soziologischeAbhandlungen gibt, wird die Verwendung des Begriffs Personenkult und dessenkonkrete Erscheinungsform erst seit den letzten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts in der Geschichtswissenschaft analysiert – seit man begann,einerseits den Stalinismus und anderseits die faschistischen und autoritärenSysteme aus der ersten Jahrhunderthälfte historisch zu beschreiben und zuerklären. Daher wurde der Begriff häufig allein aus dem Bestreben herausverwendet, das jeweilige System zu kritisieren. Entsprechend der politischenHaltungen wurde auch der Begriff Kult in der wissenschaftlichenLiteratur verwendet, um die zunehmende, immer stärker ritualisierte Verehrung,etwa Stalins, zu charakterisieren und letztlich auch zu kritisieren, ohne dasser wissenschaftlich analysiert wurde.

Eine historische, wissenschaftliche Beschäftigung,die über die reine Deskription der jeweiligen kultischen Verehrung hinausgeht,begann nach einigen soziologisch gehaltenen älteren Schriften darüber hinauserst, als durch die Öffnung der Archive in Osteuropa neue Materialienzugänglich waren, als man mit neueren, vor allem kulturwissenschaftlichen,interdisziplinären Ansätzen ein entsprechendes Instrumentarium zur Handhatte, um die Vermittlungs- und Ausdrucksformen zu beschreiben und man sich aufinhaltlicher Ebene für die jeweiligen Funktionen zu interessieren begann.Hierfür müssen die Ergebnisse der historischen Mythosforschung, der Forschungenzu Denkmälern und politischen Symbolen mit denen der Forschung zu politischenFeiern zu einem integralen Ansatz verwoben werden.

Insgesamt divergiert trotz häufiger Verwendung des BegriffesKult die Forschungslage bezüglich politischer Kulte. Es gibt, wennauch sicherlich noch nicht alle Aspekte behandelt wurden, zahlreiche Studien [3]  und einige Sammelbände [4]  mit einem vergleichenden Ansatz zu den politischen Kulten, insbesondere zumStalin- und Lenin-Kult innerhalb der Sowjetunion und ihrer Satelliten, jedoch –mit Ausnahme des Piłsudski-Kultes [5]  – nicht zu den ostmitteleuropäischen autoritären Systemen derZwischenkriegszeit. So ist etwa die Aufarbeitung des Kultes um Masaryk, Horthyoder Smetona nach wie vor ein Desiderat der Forschung. Die methodischen Ansätzevariieren bei den vorhandenen Arbeiten stark. Daher können typologischeÜberlegungen nur Ansatzpunkte für weitere Forschungen darstellen, die auch zueiner umfassenderen Theorie politischer Kulte führen sollten.

1. Definition und Komponenten von politischen Kulten

Kult bezeichnet eine stark ritualisierteForm der Verehrung eines Gegenstandes oder einer Person. Aus religionswissenschaftlicherPerspektive bezieht sich Kult auf religiöse Handlungen in ihrerGesamtheit. Wesentliche Merkmale sind dabei die innerliche Unterwerfung desMenschen unter das von ihm verehrte, höherstehende Wesen und der äußere,spontane bzw. althergebrachte Ausdruck dieser Ehrfurchtshaltung. Aus phänomenlogischerSicht vermittelt ein Kult zwischen göttlicher und menschlicher Welt, wobei ineinem intellektualisierten Kult diese Vermittlung vor allem als geistiger undlehrhafter Vorgang erfasst wird. Dennoch muss das, was in einem Mythos oderBuch festgehalten wurde, etwa durch Predigten, Feste und andere Ritualewiederholt und vergegenwärtigt werden. [6] 

Politische Kulte dagegen bezeichnen die politischmotivierte, säkulare, aber stark ritualisierte Verehrung weniger vonEreignissen, Institutionen oder Gegenständen als vielmehr von lebenden odertoten Persönlichkeiten, wobei die konkreten Vermittlungs- und Ausdrucksformenphänomenologisch religiösen Kulten entsprechen. Die spezifische Wirkungsweisevon politischen Kulten befriedigt daher emotionale und soziale Grundbedürfnisseeiner Gesellschaft, gibt ihr Orientierung und Identität, so dass dabei ein(pseudo-)religiöses Vokabular verwendet wird. Sie sind nicht immer als bloßerReligionsersatz anzusehen, weil die Religion trotz vielschichtigerSäkularisationsprozesse eine bedeutende Rolle spielen kann. [7]  Andererseits können sie auch einer Sakralisierung einer an sich säkularen Ideologiedienen.

Durch die Allgegenwärtigkeit der verehrten Person, die durchihre Vermittlungsformen hergestellt wird, sollen politische Kulte alle Mitgliederder Zielgruppe, d.h. in der Regel die gesamte Gesellschaft, erreichen. [8]  Bei politischen Kulten erscheint daher die verehrte Persönlichkeit alscharismatische Gestalt, deren Regierungsgewalt nach Max Weber zu den dreiIdealtypen [9]  legitimer Herrschaft gehört. Ist der Charismatiker ein "Führer", sobildet der Typus des Gehorchenden den "Jünger", so dass derHerrschaftsverband als die Vergemeinschaftung der Gefolgschaft erscheint.Dieser folgt dem Charismatiker wegen seiner besonderen "charismatischen"Qualitäten, und nicht wegen seiner gesetzten Stellung oder tradierten Würfe.Seine Herrschaft wird durch die charismatische Befähigung legitim. Dieses Charismalässt sich objektivieren: Es ist die Bedeutung, welche "der Persönlichkeitvon den Mächten der öffentlichen Meinung beigemessen wird. Das Publikum wirdgar nicht vom Großen Mann geführt, es wird zum Großen Manngeführt!" [10]  Durch dieseMediatisierung des Führercharismas muss also das charismatische Bild desFührers genauestens definiert werden, da erst durch ein solch öffentlichanerkanntes Image der "emotional-rationale Grundwille" [11]  ad hoc auf rationale Begründungen ausgedehnt werden kann. Es geht darum, dieals Führer kultisch verehrte Persönlichkeit und die Bevölkerungsmassen aneinanderzu binden. [12]  Dies kannnur geschehen, indem das bestimmte Bild der charismatischen Persönlichkeit, einPersonen-Mythos, geschaffen und propagiert wird. Ein politischer Kultfolgt daher einem ",gemachten politischen Mythos" [13] ,der sich als soziales, auf das Verhalten anderer orientiertes Handeln im SinneMax Webers [14]  äußert. Ersoll an diesen Mythos erinnern und in der Masse fest verankern, indem er ihnrituell und symbolhaft umschreibt, emotional erlebbar und wiederholt darstellt.Und umgekehrt:

Politische Mythen [15]  liefern durch die selektive und einseitige Interpretation der Leistungen desKultobjektes die inhaltliche Grundlage des Kultes. Daher resultierenPersonenkulte auf einer unkritischen Überbewertung der Leistungen und Rolleeiner Persönlichkeit in der Geschichte, die meist als einzig gestaltende Kraftdargestellt wird. Dies wird durch die Phasen und Merkmale eines Personenkultesverdeutlicht, die sich nicht unbedingt nacheinander, sondern auch nebeneinandersich überlappend entwickeln können, [16]  durch die das Kultobjekt zum Mythos wird. Sie verdeutlichen auch, dasspolitische Kulte als soziale Praxis politischer Mythen zu verstehen sind:

Zunächst werden die gesellschaftlichen Verhältnissepersonalisiert. Dadurch wird die historische Rolle der verehrten Persönlichkeitüberbewertet und der Grundstein für die Entstehung eines politischen Mythosoder des "mythmaking" [17]  gelegt. Dann wird diese Persönlichkeit monumentalisiert, das heißt, dasssie in dieser Phase als konkurrenzlos dargestellt und als Genie verherrlichtwird. Der Mythos wird damit also ausgebaut und propagiert. Erst in der drittenPhase wird Persönlichkeit vollkommen mythisiert. Sie wird als Kultobjektder Sphäre der alltäglichen Erfahrung entrückt, bleibt aber durch die Propagandaund ihre in der Öffentlichkeit verbreiteten Schriften stets in dieserpräsent. Sie erhält Charakteristika wie Unfehlbarkeit, Allwissenheit undAllgegenwart. Anerkennung kann dieses Bild jedoch nur finden, wenn seineinhaltlichen Grundlagen in der historischen Tradition des Landes bzw. derGesellschaft verankert sind und der Mythos an diese anknüpft und sie fortführt. [18]  Dies bedeutet, dass die angesprochene Masse mit den einzelnen inhaltlichen Aspektendes Mythos vertraut sein bzw. mit ihnen vertraut gemacht werden muss. Dazudienen nicht nur historisch-politische Publizistik, Schulbücher etc., sondernauch deren nonverbale Umschreibung in Form von Symbolen und Ritualen.

Ohne inhaltliche Aussage des Mythos ist daher ein politischerKult kaum denkbar. Man kann einen politischen Kult daher letztlich alspraktische Dimension des Mythos, als dessen Umsetzung in eine umfassenderekommunikative und politische Praxis ansehen.

Die kommunikative Praxis von politischen Kulten wirdvor allem durch Rituale sichergestellt. Sie umschreiben die mythische Narrationin nonverbaler Weise, machen sie emotional erlebbar und binden dieTeilnehmenden in die communio ein. Sie sind daher – zumeist in Form vonpolitischen Feiern – ein zwingender Bestandteil von politischen Kulten. Mangedenkt dabei entweder für den Staat wichtiger Ereignisse oder herausragenderPersönlichkeiten. Da politische Feiern als Ritual besondere Augenblickeim gesellschaftlichen und öffentlichen Leben sind, müssen sie genauestensgeplant werden. Hierbei ist eine frühzeitige Vorbereitung und Einstimmung derBevölkerung notwendig, zumal solche Feiern gleichartig an allen Orten desLandes stattfinden sollen. Als Charakteristika lassen sich ein hohes Maß anÖffentlichkeit mit einem hohen Mobilisierungsanspruch, ein Gebet oder Motto,unter dem das Fest stattfindet, eine Ansprache mit Aussagen über Zielsetzungdes Festes, Umzüge bzw. Paraden, Musik und Gesang feststellen, wodurch dereinheitliche Ablauf garantiert wird. Zudem gehören Filmaufnahmen,Zeitungsberichte, Festschriften oder ähnliche Publikationen zum Fest, um denWirkungen Dauer zu verleihen. Auf diese Weise wird ein Zusammenhang von Feierund kultischer Handlung geschaffen, so dass ihre Wiederholung von festen Ritenund Traditionen etabliert wird. Politische Feiern als Massenveranstaltungerhalten so eine Mobilisierungsfunktion mit Bekenntnischarakter. [19]  Es werden durch die Teilnahme Loyalitäten offenbart, langfristig Konsensgestiftet und den Initiatoren des Kultes resp. den Machthabern wird rituellakklamiert, denn zugleich können die Würdenträger, die Organisatoren,langfristige Ziele und ihre Politik der Bevölkerung vermitteln und dienen denorganisierenden und leitenden Führern zur Demonstration ihresFührungsanspruches. Die Ansprachen oder sonstigen Äußerungen sollen einepositive Zukunftsperspektive und ein kollektives Bewusstsein über Zugehörigkeitder Teilnehmenden zum Gemeinwesen und damit Selbstvergewisserung und-identifikation vermitteln. Insofern sind Rituale, durch welche das Moment derÖffentlichkeit effektiv genutzt werden kann, "Fermente ihrer [der Machthabenden]Autoritäts- und damit Machtvermehrung" [20]  Versteht man eine politische Feier als nonverbale Umschreibung eines Mythos ineine symbolhaften Handlung und als Ritualisierung des Mythos, kann dieses Ritualinsgesamt als "Ort charismatischer Beziehungen" [21]  gelten, durch das der Mythos der verehrten Persönlichkeit paraphrasiert und ineine soziale Praxis umgesetzt wird. Insofern sind politische Feiern als Ritualein zwingender Bestandteil von politischen Kulten. [22] 

Bei der Durchführung der Rituale werden politischeSymbole verwendet, die für die kommunikative Praxis von Mythen undpolitischen Kulten von ebenfalls hoher Bedeutung sind. Sie sindPropagandamittel aller politischen Systeme und Ideologien, da sie in die breiteÖffentlichkeit hineinwirken und die herrschende Ideologie zum festenBestandteil des öffentlichen Lebens machen. "Klassische" politische Symbolesind etwa Flaggen und Hymnen, im weiteren Sinne aber auch Parolen wie "Einheitder Arbeiterklasse", Städte- und Gebietsnamen als "geographische Symbole" wieStalin- oder Leningrad, und auch Ereignisse bzw. historische Daten wie der "9.Mai". Daneben sind noch Symbolträger wie Zahlungsmittel und Briefmarken,Benennungen von Straßen, Institutionen etc. von Bedeutung für die zuvermittelnde (mythische) Narration. Symbolträger mit einer genauestens definiertenGebrauchsfunktion – wie etwa Briefmarken oder Münzen – lenken durch diese vondem dahinterstehenden Inhalt ab, so dass die symbolisch vermitteltenLeitvorstellungen unmerklich in scheinbar unpolitische Lebensbereichehineinwirken, weil ihr Gebrauch unvermeidlich ist und auch ideologische Gegnerdiese benützen müssen. Sie stellen eine Art "Polysystem", [23]  einen Kanon von Symbolen in der Gesellschaft dar, der ein fester Bestandteildes ideologischen Systems ist. Art und Häufigkeit der Verwendung von politischenSymbolen und Symbolträgern weisen auf den Rang des Symbols im Kanon derpolitisch sanktionierten Symbole eines Staates oder einer politischen Bewegunghin. Es gibt in autoritären und totalitären Systemen einen festen Kanon vonpolitischen Symbolen, weil jene mit Verboten belegt werden, die nichtsystemkonforme Orientierungen vermitteln. Politische Symbole präsentiereninsgesamt die dominierenden Themen des zu vermittelnden kulturellenGedächtnisses, der mit dem Kult verbundenen mythischen Narration und politischeVorstellungen der Herrschenden auf eindringliche Weise und nehmen alsVisualisierung des Mythos Orientierungsfunktionen an. [24] 

Besonders visuell erlebbare politische Symbole und zugleichzentrale Erinnerungsorte sind Denkmäler. Wenn man von der Einheit der"Trias Mythos – Denkmal – Kult" [25]  ausgeht, wird deutlich, dass ein Denkmal an die mit Personen, Taten oderEreignissen verbundene würdige Vergangenheit erinnert, die im Mythoszusammengefasst wird und deren Hinterlassenschaft durch den Kult in Form vonFeiern oder Verehrung aktiviert wird. Es steht an einem Ort, an dem sich einBezug zu dem zu Vergegenwärtigenden herstellen lässt, und ist somit ein Erinnerungsort.Ein Denkmal offenbart mit seiner Aussage das geschichtliche Selbstverständniseiner Gesellschaft. Es visualisiert den Mythos, indem es eine komprimierte,symbolische Abstraktion von identitätsstiftenden Interpretationen im Sinne desMythos ermöglicht. Ein Denkmal ist daher ein gesellschaftlich konstituiertesSymbol einer "imaginierten Gesellschaft", vermittelt "erfundene"Traditionen, Sinn und immanenteOrdnungsprinzipien, zumal es durch seine Semantik und formale Gestaltung denWillen seiner Erbauer widerspiegelt und seine politische Vorherrschaft und dasBestreben nach politischer Definitionsmacht demonstriert. [26] 

Ohnediese wesentlichen und zwingend erforderlichen Komponenten – Mythos, Symboleund Rituale – kann ein politischer Kult nicht existieren und wirken. Sie bildenein Geflecht von Deutungselementen, das erst den Kult als solchen ausmacht.Der Grad ihrer Ausprägung hängt dabei nicht allein von dem des Kultes ab,sondern sie bedingen sich gegenseitig. Erst durch dieses Geflecht können politischeKulte ihre spezifische Wirkungsweise entfalten. Sie sind zugleich Vermittlungs-und Ausdrucksform eines politischen Kultes: Je stärker der Kult wird, destohäufiger werden sie gebraucht und die mythische Narration vermittelt. Durchihre Verwendung wird gleichzeitig deutlich, dass diejenigen, die sie benutzen,dem Kult unterliegen. Daher müssen politische Kulte in einem "ganzheitlichen"Ansatz untersucht werden. Es gilt etwa nicht nur, Denkmäler einer verehrten Persönlichkeitzu untersuchen, sondern auch die damit verbundenen weiteren politischen Symboleund Rituale, zumal Denkmäler häufig Orte solcher Rituale sind. Schließlich mussauch die dahinter stehende Narration, der Mythos, untersucht werden. DieseKomponenten sind zu beschreiben, ihre spezifische Wirksamkeit kann aber nur vordem jeweiligen historischen, politischen, sozialen und kulturellen Kontextherausgearbeitet werden. Erst ein solcher Ansatz ermöglicht es, alle Nuanceneines politischen Kultes, alle Vermittlungs- und Ausdrucksformen sowieFunktionen zu erarbeiten.

2. Typologische Überlegungen

Beobachtungen verschiedener Kulte führen zu typologischenÜberlegungen, die weitere Forschungen zu politischen Kulten anregen sollen,zumal bislang nur ausführliche Studien zu den "großen" politischen Kulten des20. Jahrhunderts vorliegen. [27] 

Institutionalisierung und Ritualisierung gehenmit der Entfaltung des Kultes einher, die Verehrung wird in einegesellschaftlich anerkannte, feste Bahn geleitet, wobei es aber unabdingbareVoraussetzung ist, dass die Machtverhältnisse in der Gesellschaft eindeutiggeregelt sind, d.h. dass die Initiatoren, Förderer und Träger des Kultes dieentsprechenden Machtmittel besitzen, diesen in der Gesellschaft etablieren zukönnen. Es fällt dabei auf, dass zunächst eine (kleine) Gruppe aus Anhängernder verehrten Persönlichkeit den Kult entstehen lässt und zu etablierenversucht. Eine Trägergruppe kann zunächst eine einzelne politische Bewegungsein. Wenn der Kult vom Staat institutionalisiert und gefördert wird, so sinddie wichtigsten Staatsorgane oder führende Politiker die maßgeblichenInitiatoren wie beim Lenin-Kult die Gruppe um Stalin. Leben die kultischverehrten Persönlichkeiten noch, so nehmen sie selbst – in der Regel insgeheimund in unterschiedlichem Maße – Einfluss auf ihre eigene Verehrung, wie etwaStalin oder Çeauşescu.

Typische Vermittlungsformen von (Personen-)Kulten sind daherpolitische Feiern zu Anlässen, die sich regelmäßig wiederholen, einmaligsind oder einen wichtigen inhaltlichen Bezug zum jeweiligen Mythos haben. Diessind entweder Geburts-, Namens- und Todestage oder Jahrestage, die mit demMythos in enger Verbindung stehen. Häufig werden diese Jahrestage jährlich begangen,andere wiederum nur zu "runden" Jahrestagen. So stellte etwa der 50. GeburtstagStalins den Auftakt für den Stalin-Kult dar. Jährlich wurden etwa dieGeburtstage Hitlers (20. April) und Titos (25. Mai [28] )begangen, wie etwa in der Sowjetunion jährlich der Jahrestage derOktoberrevolution und der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg gedachtwurde. Solche sich auf politische Ereignisse beziehende Jahrestage boten dabeidie Gelegenheit, dieses Ereignis mit den Leistungen der zu verehrten Person inVerbindung zu bringen. Zu dieser Vermittlungsform gehören auch die Totenfeiern,die häufig die Intensivierung oder einen verstärkten Aufbau eines Kultes (z.B.beim Atatürk- und Lenin-Kult) bedeuten. Ein wichtiges Element bei all diesenFeiern sind Umzüge und Paraden sowie Festveranstaltungen mit öffentlichenAnsprachen mit einer massenhaften Teilnahme. Da erst der Massencharakter einepolitische Feier zu einer solchen werden lässt, muss die Bevölkerunggegebenenfalls zwangsweise durch die Teilnahme von Schulen, Militär, Betrieben,Vereinigungen etc. eingebunden werden.

Eine weitere wichtige Komponente für die Vermittlung stellenpolitische Symbole und, als deren besondere Form, Denkmäler dar.Letztere befinden sich meist an den mit dem Kultobjekt verbundenen Orten, aberauch an besonders eingerichteten Gedenkstätten oder Gedächtnisorten. Museen alsGedächtnisorte mit zugleich starkem didaktischen Charakter sind häufig anzutreffendeElemente bei politischen Kulten. Des weiteren werden Straßen, Institutionenetc. nach dem jeweiligen Kultobjekt benannt, so dass das gesamte Land mit einemNetz von mit dem Kultobjekt verbundenen Gedächtnisorten überzogen wird.Größtenteils sind die zu verehrenden Persönlichkeiten auf staatlichenZahlungsmitteln und Briefmarken abgebildet. Darüber hinaus sind Biographienbzw. Werke mit biographisch-apologetischem Charakter sowie die Ausgaben mitWerken der verehrten Person ein wichtiger Bestandteil der Verehrung undzugleich der Vermittlung der mythischen Narration. Dazu gehören z.B. dieSchriften Stalins, Lenins und Titos.

Abgesehen von schlichten Informationsbroschüren über diekultisch verehrte Person spielen andere Medien wie Plakate (mit Aufrufen),Zeitungen, Radio, Fotographien und Film eine bedeutende Rolle für dieVermittlung des Kultes, da die politischen Kulte des 19. und vor allem des 20.Jahrhunderts allesamt Massenkulte sind. Dabei soll der politische Kult dieAngehörigen der jeweiligen politischen, nationalen oder staatlichen Einheit,d.h. in der Regel die Bürger des Staates, ansprechen. Insofern sind sie immerauch ein wichtiger Bestandteil der politischen Kultur.

Die politisch motivierten Kulte unterscheiden sich dadurch,ob sie durch staatliche Einwirkung etabliert, legitimiert undinstitutionalisiert werden, oder ob sie eine (spontane) Verehrung von (meist)lebenden, charismatisch erscheinenden Personen innerhalb einer politischenBewegung sind, der die institutionelle Verankerung im Staat fehlt, die aberinnerhalb der Gruppe fest etabliert ist. [29]  In die erste Kategorie gehören die Kulte um die Diktatoren von totalitär bzw.autoritär regierten Staaten, während zur zweiten etwa der Kult umPiłsudski in der Solidarność und die öffentliche Verehrung desSozialisten Ferdinand Lassalle gehören. Eine Verehrung "von unten" kann aberdie Grundlage oder der Auslöser für einen staatlich-administrativ angeordnetenKult sein.

Grundsätzlich lassen sich politische

Kulte hinsichtlich ihres Bezugsobjekts unterscheiden:

Der Personenkult bezieht sichauf die kultische Verehrung eines noch lebenden Menschen. Meist endet er mitdem Leben der Bezugsperson. Zu den bedeutenden Personenkulten zählen u.a. dieKulte um Stalin [30] , Hitler,Benito Mussolini, Mao Tse-tung, Nikolaie Çeauşescu [31] ,aber auch der antike Herrscherkult um Kaiser Augustus.

Der Kult um verstorbene Personen bezieht sich entweder aufunmittelbar zuvor verstorbene oder schon länger tote Persönlichkeiten, obwohles – wie im Falle Lenins – häufig noch zu Lebzeiten Ansätze vorhanden seinkönnen. Der Totenkult gehört zur menschlichen Kultur seit dem Zeitpunkt, an demder Mensch in seiner Entwicklungsgeschichte seine Vorfahren exponiertbestattete. Seit der Herausbildung von Staaten wurde er zu einem Instrument derMachtsicherung. Da sich der Totenkult immer auf die genuine Leistung undgesellschaftliche Anerkennung der Persönlichkeit bezieht, die ihr erst dencharismatischen Nimbus verschafft hat, dient er dem "Umgiessen" [32]  von "symbolischem Kapital" in tatsächliche Herrschaft und damit der Stärkungder Autorität und Legimitiät ihrer Nachfolger. [33]  Als Beispiele für den Kult um tote Individuen seien etwa der Atatürk-, derKościuszko-Kult, der Kult um Vytautas dem Großen und der Lenin-Kultgenannt. Innerhalb dieser Gruppe nimmt der politisch intendierte Heiligenkultdes Mittelalters eine Sonderstellung ein, wie etwa der Kult um die HeiligenAdalbert (Wojciech) und Stanisław in Polen und die Verehrung des HeiligenNepomuk in Böhmen zeigen; jedoch kann in diesem Rahmen nicht weiter auf dieseKulte eingegangen werden.

Auch ganze Personenkollektive können kultisch verehrtwerden, wie die öffentliche Verehrung gefallener "Helden", Soldaten einerpolitischen Bewegung oder eines Staates, die sich für diese Bewegung bzw.diesen Staat meist mit ihrem Leben eingesetzt hatten. Die Verehrung einessolchen Kollektivs ist beispielsweise die Ehrung des "Unbekannten Soldaten"bzw. der im Krieg Gefallenen. Dazu gehört auch die Kultivierung der "Nation inWaffen" [34]  bzw. der Armee eines Staates.

Weniger häufig und intensiv sind dagegen kultischeÜberhöhungen von legendär gewordenen Personen bzw. von personifizierten,ursprünglich abstrakten Begriffen. Dazu gehören z.B. Vercingetorix inFrankreich, Hermann der Etrusker und Arminius’ in Deutschland oder Gediminas inLitauen sowie von Allegorien wie der "Marianne" in Frankreich und die "Germania"in Deutschland.

Für einen Staat, eine Nation oder eine politische Bewegungwichtige historische Ereignisse wie die Schlacht auf dem Peipussee undbei Racławice können mythisch überhöht und zum Objekt einer öffentlichenkultischen Verehrung werden.

Die drei letztgenannten Kulte um Personenkollektive,legendäre bzw. mythische Personen oder bedeutsame historische Ereignisse werdenin der Regel nicht als einzelne Kulte verwendet, sondern gehen mit anderenKulten einher und dienen zu deren Verstärkung bzw. Ergänzung. Der Kult um den"Großen Vaterländischen Krieg" ergänzte den um den "Generalissimus" Stalin, derebenfalls durch den Aleksander-Nevskij-Kult im Zweiten Weltkrieg und den Kultum Ivan Grozny [35]  gestütztwurde. Es lässt sich ein System von verschiedenen, auf den Stalin-Kultausgerichteten Kulten entdecken: Den Kult der Oktoberrevolution, den um Marx,Engels und Lenin, den um das Proletariat und die Partei. Es gab in der Sowjetunionauch lokale Kulte von dortigen politischen Führern, die sich aber demStalin-Kult unterordneten. [36]  Hierdurch wird deutlich, dass politische Kulte einander ergänzen oderhierarchisch aufeinander aufgebaut sein können, letztlich aber den eigentlichenPersonenkult verstärken, erklären und damit begründen sollen.

Die "Botschaften", die Grundaussagen des jeweiligen Mythos,sind einander sehr ähnlich. Die "Zeichen und Funktionen [sind] identisch [...]oder analog lesbar, ihre Botschaften [beanspruchen] dagegen für dieHandlungseinheiten Ausschließlichkeit". [37]  Entsprechend dieser Klassifizierung von politischen Kulten lassen sichbezüglich der mythischen Narration, die die inhaltliche Grundlage einespolitischen Kultes bildet, charakteristische Aussagen über die mit der verehrtenPersönlichkeit verbundene mythische Narration ableiten, die letztlich seltenüber einige floskelhafte Formulierungen hinausgeht. [38]  Sie wird als "Symbol" des Staates oder der Bewegung, als "Vater", als"Erzieher", als "Retter" der Nation als "Wächter" des Staates stilisiert. Vonbesonderer Bedeutung ist hierbei, dass sie als Universalgenie, alsidealisiertes, unüberholbares Vor- und Leitbild, als "Führer" dargestellt wird.Entsprechend erhalten sie übernatürliche Attribute wie Omnipräsenz, [39]  es wird jedoch – anders als bei religiösen Kulten – keinetheologisch-eschatologische Heilserwartung nach dem Tode mit ihnen verbunden.Da dies zumeist als Gründungs- oder Ursprungsmythos dargestellt wird, wird diePerson als Staatsgründer, als Kriegs- oder Revolutionsheld bzw. als Gründer derBewegung und/oder als (politischer) Märtyrer dargestellt. Die genaue Ausformungist jedoch von dem jeweiligen historischen Kontext abhängig.

Da die menschliche Prädisposition in bezug auf die Emotionenund damit die Empfänglichkeit für Rituale und Symbole grundsätzlich gegebenist, sind die grundlegenden Funktionen von politischen Kulten gleich. Siekommen aber nicht bei jedem Kult gleichermaßen zum Tragen.

Politische Kulte dienen zunächst der Selbstdarstellung derTrägergruppe bzw. des ihn anordnenden und durchführenden Staates, da sie einherausragendes Zeremoniell der Herrschaftsrepräsentation sind. Atatürk wirdbeispielsweise als Schöpfer des säkularen türkischen Staates verehrt, was fürdie Selbstdarstellung und das Selbstverständnis der modernen Türkei bis heuteausschlaggebend ist. Die Trägergruppen von Kulten versuchen durch dieseSelbstdarstellung und die mit dem Kult einhergehende Schaffung von Traditionen,ihre eigene Macht- und Herrschaftsposition zu festigen. Vor allem jungeSysteme, die meist noch keine eigene Tradition haben, sind bestrebt, durchKulte um ihre großen Vorbilder bzw. Anführer in kurzer Zeit Traditionen zuschaffen und damit ihren Angehörigen eine Identifikationsmöglichkeit zu geben.So knüpfte der 1918 gegründete litauische Staat an den Ruhm des Vytautas an, umseine nationale Eigenständigkeit zu betonen.

Politische Kulte entstehen daher vor allem in politischenSystemen, die erhebliche Legitimations-, Identifikations- undIntegrationsdefizite haben. "An den 'Prismen der Macht', jenen Augenblicken, daHerrschaft von Brüchen, Auffächerungen oder Auslöschungen bedroht war, lassensich immer wieder [solche] Inszenierungen beobachten." [40]  Diese treten in bzw. nach einer Revolution oder sonstigen politisch-sozialenUmbruchs- oder Krisensituation ein. Daher haben Kulte in Krisenzeiten und inder Etablierungsphase von politischen Systemen eine besondere "Konjunktur", wiedas Beispiel des Kultes um beispielsweise um Stalin und Çeauşescuzeigt. Das Legitimations- und/oder Identifikationsdefizit drückt sich durch dieBerufung auf die kultisch überhöhte, verstorbene Person oder die kultischeVerehrung zu deren Lebzeiten aus: Da sie sich ausschließlich auf die (historischen)Taten und Leistungen der jeweils verehrten Persönlichkeit konzentrieren, verstärkensie die charismatische Position des Verehrten im Sinne Max Webers. Dabei sollder Totenkult den Nachfolgern des Kultobjektes zugute kommen, da diese – wieetwa beim Leninkult – von dessen "Glanz bestrahlt" werden und somit Legitimitäterhalten sollen. Politische Kulte sollen daher den jeweiligen Trägerschichten(resp. Machthabern im Staat) die nötige Legitimität verschaffen, indem sie dieAutorität des Kultobjekts auf sich projizieren oder zumindest aus dessenöffentlichem Ansehen zu schöpfen versuchen.

Durch ihre spezifische Wirkungsweise werden die Teilnehmeremotional erregt, zu einer großen Gemeinschaft zusammen geschweißt und so fürdie "gemeinsame Sache" mobilisiert. Sie können sich mit ihr identifizieren:Indem die kultisch verehrte Persönlichkeit als Vor- und Leitbild stilisiertwird, werden die Teilnehmenden in deren Kontinuität gestellt und entsprechendder vermittelten Ideen zum Handeln aufgefordert: Sie sollen ihr Werk bewahren,festigen und fortführen. Führerkulte sind daher ein Bezugspunkt für dieIdeologie, letztlich die "Verkörperung der Doktrin". [41] 

Da durch politische Kulte die grundlegenden Ideen derHerrschaftsgruppe vermittelt werden, soll die Mobilisierung der Massen inihrem Rahmen auch plebiszitäre bzw. akklamatorische Wirkung entfalten. Somit bestehteine weitere Funktion von politischen Kulten darin, möglichst viele Teile der(Staats-)Gesell­schaft an sich bzw. an das herrschende politische System zu bindenund damit in das eigene Herrschaftssystem zu integrieren. Dass dieseintegrative Funktion auch für demokratische Staaten eine Rolle spielen kann,zeigt die kultische Verehrung von Abraham Lincoln und von George Washington,dessen Name zum Symbol für die demokratisch legitimierten USA geworden ist.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass dieVermittlungselemente bzw. deren Ausdrucksformen "transnationalen" Musternfolgen, während die inhaltliche Komponente des Kultes, der Mythos, an diespezifischen Bedingungen seiner Trägergruppe angepasst und auf diehistorisch-politischen Verhältnisse zugeschnitten ist. Entsprechend dieserwerden jeweils bestimmte, allgemeine Komponenten des Kultes besonders betontund bestimmte Funktion treten in den Vordergrund, ohne dass die übrigen nichtzu finden wären.

3. Fallbeispiel: Der Piłsudski-Kult

Am Beispiel des Piłsudski-Kultessollen die typologischen und theoretischen Überlegungen kurz erläutert werden.Dieser ist ein typisches Beispiel für einen Personenkult, zumal sich an ihmeinerseits die Phasen bei der Entwicklung eines Personenkultes, andererseitsauch die Komponenten und Funktionen deutlich nachvollziehen lassen. An ihm wirddeutlich, dass trotz "transnationaler" Muster von politischen Kulten diese ohneden politischen Kontext nicht entstehen und wirken können. [42] 

In der ersten Phase vonPersonenkulten wird die Rolle der verehrten Persönlichkeit überhöht. Dies warenim Falle des Piłsudski-Kultes die Jahre zwischen 1914 und 1926. Seit demBeginn des Ersten Weltkrieges setzte eine starke Verehrung Piłsudskis ein.Der Abmarsch der kleinen und schlecht ausgerüsteten Kaderkompanie aus Krakaunach Kielce, wodurch aus Piłsudskis Sicht der Krieg gegen die russischeTeilungsmacht begonnen wurde, bot sich für das Lager trotz bzw. gerade wegenseiner schlechten Resonanz in der polnischen Öffentlichkeit zur Mythenbildungan. Durch die Propaganda seiner Anhängerschaft, vor allem der geheimen PolskaOrganizacja Wojskowa, wurde sein Einsatz für die polnische Unabhängigkeitals vorbildlich und einmalig dargestellt. Auch die Staatsgründung 1918 und derSieg von 1920 im polnisch-sowjetrussischen Krieg stellen wichtige Faktoren fürdie Überbewertung der historischen Rolle Piłsudskis dar, da beideEreignisse ausschließlich seinem Wirken zugeschrieben wurden.

In der zweiten Entwicklungsphase vonPersönlichkeitskulten werden diese monumentalisiert. Dies erfolgte beiPiłsudski vor allem in den Jahren zwischen 1926 und 1935, indem der Mythosihn als größten Polen der Geschichte und als Symbol Polens darstellte. WichtigeEtappen waren einerseits die Feier des zehnjährigen Staatsjubiläums undandererseits die Schulreform von 1932, durch die das Piłsudski-Bild desSanacja-Regimes endgültig in die Curricula aufgenommen wurde. Dadurch und durchdie Herausgabe seiner Schriften seit dem Jahr 1930 wurden die ÄußerungenPiłsudskis kanonisiert und gesellschaftlich normiert. Von Bedeutung ist,dass parallel zu dieser Verstärkung des Kultes im Jahre 1928 mit dem BezpartyjnyBlok Współpracy z Rządem eine auf Piłsudski fixierte parlamentarischeHausmacht des Regimes aufgebaut und 1930 durch die Ausschaltung der politischenOpposition die autoritäre Herrschaft der Sanacja endgültig befestigt wurde,während deren Defizite und innere Differenzen immer offenbarer wurden.

Die dritte Entwicklungsstufe, in der das Kultobjektvöllig mythisiert wird, setzte schon zu Lebzeiten Piłsudskis ein, wurdejedoch im Totenkult zwischen 1935 und 1939 vollendet. Durch dieBegräbnisfeierlichkeiten, die über den gängigen Rahmen von Staatsbegräbnissender Zweiten Republik weit hinausgingen, erhielt der Piłsudski-Kult einebisher noch nicht erreichte Breitenwirkung und Qualität, zumal danach dasGedenken an den Marschall landesweit durch die Bildung des Naczelny KomitetUczczenia Pamięci Marszalka Józefa Piłsudskiego koordiniertwurde.

Schon in der ersten Phase des Piłsudski-Kultes wurdendie Medien des Kultes etabliert, die in der weiteren Entwicklung des Kults nochausgebaut, jedoch nicht grundsätzlich verändert wurden. Hierbei ist vonBedeutung, dass Piłsudski zumindest bis zum Aufbau seines Lagers seineVerehrung aktiv förderte und nach dem Maiumsturz den Aufbau des Kultes um seinePerson zumindest stillschweigend billigte. Die Hauptförderer und -träger desKultes, die in tagespolitischer Hinsicht nur als zweitrangig innerhalb desRegimes anzusehen sind, waren dessen wichtigste Ideologen waren und schufendamit die wichtigste Grundlage der Sanacja-Ideologie. Der Piłsudski-Kultentwickelte sich insgesamt mit seinem Mythos, seiner Symbolik und seinenRitualen in Krisen- und Umbruchsphasen für Lager und Staat weiter, so dassPiłsudski immer als ideeller Orientierungspunkt diente.

Der Piłsudski-Mythos umfasste fünf wesentlicheAspekte. Zunächst stellt er Piłsudski als "Schöpfer des polnischen Heeres"und als "siegreichen Führer der Nation" dar. Dieses Bild kulminierte in derVorstellung von der "bewaffneten Tat" (czynzbrojny) Piłsudskis, in deren engem Zusammenhang der Begriff des wódz, des Führers, zu sehen ist, dersowohl in militärischer als auch in ideeller Hinsicht zu verstehen ist. Dannwird der Marschall als "Baumeister des Wiedererrichteten Polen", als "Schöpferder Unabhängigkeit" und als "Wächter seines Ruhmes" verstanden. Beide Aspektebasieren auf seinen Leistungen im Ersten Weltkrieg, impolnisch-sowjetrussischen Krieg, der letzte Aspekt allerdings – "Wächter despolnischen Ruhmes" – auch auf der Zeit nach dem Maiputsch von 1926. DieSanacja-Rhetorik machte deutlich, dass sie darunter vor allem das HandelnPiłsudskis im Sinne der moralischen Gesundung des Staates verstand. Dadurchhabe dieser erst wirklich zu Kräften gelangen können. In diesem Sinne wird dasgesamte Leben Piłsudskis als ein einziger Kampf um die Unabhängigkeit Polensinterpretiert.

Daraus resultiert das Bild vom "großen Erzieher" des Volkes,das sich damit auf dessen historische Bedeutung und sein vorbildliches Wirkenbezog , durch das er das Volk erzogen hätte und weiterhin erziehen würde. Dieswurde insbesondere unter dem Aspekt der "moralischen Gesundung" nach dem Maiumsturzbetont und kulminierte in der Vorstellung, dass Piłsudski größter Pole derGeschichte sei. Man stellte ihn somit bewusst in die Tradition der großenpolnischen Herrscherpersönlichkeiten und Kriegshelden des Mittelalters und derNeuzeit, wo die Kontinuitätslinie zum Aufstandhelden von 1794, TadeuszKościuszko, seit dem Sieg über die Rote Armee 1920 zugunsten derKontinuität zu König Jan III. Sobieski an Bedeutung verlor, er – so wie JanIII. Sobieski 1683 das Abendland vor der Gefahr der muslimischen Osmanengerettet hatte – Europa durch seinen Sieg über die Rote Armee Europa von derbolschewistischen Gefahr befreit habe.

Aus diesen Vorstellungen ergab sich dann das Bild vonPiłsudski als "Vater des Vaterlandes" und als "Großvaters" ("dziadek").Schließlich rundet die Parole vom "ideellen Testament", die nach seinem Tod infast jeder Publikation zu finden war, das vermittelte Piłsudski-Bild ab.Als ein solches wurden seine Äußerungen, aber auch sein Leben und seine Tatenangesehen. Auf diese Weise wurde das Bild zu einem "nationalen Katechismus",der Marschall zum Vorbild für die Gemeinschaft der Staatsbürger stilisiert.

Durch den Mythos wurde das Wirken Piłsudskis überGebühr betont, andere Entwicklungslinien dabei in den Schatten undPiłsudski in den Mittelpunkt der historischen Entwicklung gestellt. Daherkönnen die mit ihm verbundenen Rituale, Denkmäler und Symbole alsVermittlungsformen des Kults als visuelle bzw. (emotional) erlebbare Essenz desGeschichtsbildes der Sanacja gelten.

Als Rituale lassen sich die Piłsudski-Feiernerkennen, durch das insbesondere die Schüler und die Soldaten mobilisiertwurden. Sie untergliedern sich zunächst in historisch-politische Jahrestage(den Staatsgründungstag am 11. November und den Tag des Abmarsches der Kaderkompanieam 6. August 1914) und in persönliche Jahrestage (Namenstag am 19. März,Todestag am 12. Mai). Dabei war nur der 11. November, und dies erst seit 1937,ein gesetzlicher Feiertag. Zuvor wurden die Feiern anlässlich dieses Tages wieauch zum Namens- und Todestag, die seit 1936 vom Obersten Gedächtniskomiteefederführend organisiert wurden, administrativ angeordnet und vor allem in denSchulen, Behörden und staatlichen Verwaltungen sowie in den Streitkräftenbegangen. Die Piłsudski-Feiern entwickelten sich zu einer wichtigen neuenTradition in der Zweiten Republik, während etwa der traditionelle Feiertaganlässlich der Verfassung vom 3. Mai 1791 immer mehr an Bedeutung verlor.

Ein besonderes Ritual stellten die Begräbnisfeierlichkeitendar, und dies nicht nur wegen der Einmaligkeit des Vorgangs, sondern auch, weildas "das Zeremoniell des Begräbnisses des Marschall Piłsudskis beispiellosfür die Zukunft sein soll[te]." [43]  Der Bedeutung Piłsudskis wurden die Begräbnisfeierlichkeiten in Warschau,die Überführung nach Krakau über Kielce, in Krakau und schließlich noch inWilna gerecht. Damit wurden in symbolischer Weise die wichtigsten Wirkungsstättendes Marschalls zusätzlich durch die Grablege in der Wawel-Kathedrale (die alsGrablege der polnischen Könige eine nationale Nekropole ist), mit dem Mythosverbunden.

Wichtige Konzentrationspunkte der Piłsudski-Verehrungstellten auch die Gedenkstätten und Denkmäler dar, die durch ihren Bezug aufPiłsudski zum Symbol wurden. Bis 1935 entstanden unorganisiert bzw.ungelenkt Denkmäler und mit dem Namen Piłsudskis versehene Institutionen.Da anlässlich des Todes Piłsudskis eine unüberschaubare Zahl anGedenkinitiativen entstanden war, wurde im Juni 1935 das Oberste Komitee zurBewahrung des Gedächtnisses an Józef Piłsudskis gegründet, das all dieseInitiative genehmigte, koordinierte und harmonisierte. DiePiłsudski-Denkmäler vermittelten in visuell komprimierter Form diePiłsudski zugeschriebenen Verdienste und geistige Hinterlassenschaft.Keine andere historische Persönlichkeit hat in Polen jemals so viele Denkmälererhalten wie Piłsudski.

Dies gilt auch für Piłsudskis Abbildung bzw. Verwendungauf politischen Symbolen. Die Symbole seines Lagers, der Schützenadler und der Marsz Pierwszej Brygady, warenallgegenwärtig. Piłsudski war auch diejenige Persönlichkeit, die währendder Zweiten Republik am meisten auf Münzen und Briefmarken abgebildet wordenist. Sein Name wurde mit zahlreichen mit grundlegenden Institutionen vor allemaus dem Bildungsbereich, insbesondere mit Schulen verbunden, wozu dassystematische Vorgehen des Obersten Gedächtniskomitees in erheblichem Maße beigetragenhat.

Polen wurde auf diese Weise mit einem mehr oder wenigerlückenlosen Netz von mit Piłsudski verbundenen Symbolträgern überzogen,wodurch das "dauerhafteste Denkmal des Marschalls" [44]  durch die "Arbeit an dem Aufbau der Kraft und des Geistes und der bewusstenVaterlandsliebe" [45]  geschaffenwerden sollte. An der Zahl und Intensität, mit der die Persönlichkeit desMarschalls mit herausragenden Symbolträgern verbunden wurde, lässt sich nichtnur seine besondere Bedeutung für die Sanacja erkennen, sondern auch seineStilisierung zu einem Symbol. Letztlich war das Symbolsystem der Sanacja aufihn reduziert.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Piłsudski-Kultneue nationale bzw. staatliche Traditionen schuf, indem er neue Rituale,Feiern, Denkmäler und Symbole kreierte und sie durch die Verbreitung des Mythosinhaltlich "untermauerte". Die alten Symbole und Mythen waren nicht mehrzeitgemäß: [46]  Die altenHelden, vor allem die sieglosen des Polnischen Freiheitskampfes im 19. Jahrhundert,allen voran Tadeusz Kościuszko, sollten durch eine positive, erfolgreicheIntegrationsfigur ersetzt werden. Die neuen Symbole sollten den Glauben an Polendefinieren, bekunden und dem Volk als Verpflichtung vorsetzen. Von besondererBedeutung war hierbei ein Teilaspekt des Piłsudski-Mythos, das Bild vonder "bewaffneten Tat", das als Gründungsmythos des jungen Staates anzusehenist. Piłsudski, der durch die Vermittlungsformen und den Mythos in eineuneinholbare Bedeutung für den Staat gestellt wurde, wurde im Sinne einer"Leistungsschau" und "Heldengalerie" zur Eigenrepräsentation der Sanacja undals Identifikationsangebot genutzt, war er doch das einzig gemeinschaftsstiftendeElement der verschiedenen, meist rivalisierenden Gruppierungen innerhalb derSanacja.

Damit diente der Piłsudski-Kult in erster Liniezwischen 1926 und 1939 der Selbstdarstellung des polnischen Staates sowie derSanacja nach innen und außen, woraus sich weitere Funktionen ableiten lassen.Dies gilt darüber hinaus auch für die gesamte Bevölkerung Polens, da es nachdem Mythos ja allein Piłsudski zu verdanken war, dass sie in Freiheit,also in einem unabhängigen Staat, leben durfte. Damit erhielt derPiłsudski-Kult nicht zuletzt legitimatorische, identitätsstiftende undintegrative Funktionen in ideeller, territorialer und ethnischer Hinsicht fürdie gesamte Staatsbevölkerung. Durch die staatlich angeordneten Feiern und denGeschichtsunterricht konnten die Massen emotional mobilisiert werden. DieTeilnahme an den Feiern bzw. die Bericht darüber hatten daher akklamatorischen,plebiszitären Charakter.

Somit ist der Piłsudski-Kult letztlich als Mittelanzusehen, die "moralische Gesundung" ("sanacja moralna") von Staat undGesellschaft zu gewährleisten und damit Disziplin, Ordnung und Geschlossenheitdurchzusetzen. Da Piłsudski als uneinholbares Leit- und Vorbild durch denKult stilisiert wurde, fasste dieser die Vorstellungen der Sanacja überGeschichte, und nicht zuletzt über Staat und Gesellschaft, visuell undemotional eindringlich zusammen, komprimierte sie auf eine Aussage:"Piłsudski" und ist somit als Essenz der Sanacja-Ideologie zu sehen.Zugespitzt: Der Piłsudski-Kult war letztlich die (alleinige) Ideologie derSanacja.

Deutlich wird bei der Ausbildung des Piłsudski-Kultes,dass es zwar Parallelen zu anderen Personenkulten bei den Vermittlungsformenund Inhalten des Mythos gibt, dass jedoch nicht darauf Bezug genommen wird undder Kult als originär polnische Entwicklung erscheint. Trotz dieser alsfunktional zu betrachtenden Gemeinsamkeiten lässt sich dies auf die spezifischpolnische historische und politische Situation zurückführen. Trotz der"transnationalen" Muster bei der kultischen Verehrung bzw. derenVermittlungsformen ist deutlich zu erkennen, dass der Bezug auf die jeweiligehistorische Situation und die nationalen bzw. staatlichen Spezifika vongrundlegender Bedeutung für die durch den Kult transportierten Inhalte und dieWirksamkeit des Kultes sind.

Der Piłsudski-Kult unterschied sich von anderen Kulten(z.B. Hitler- und Stalin-Kult) vor allem dadurch, dass er nicht eindeutig einemKult um lebende und tote Persönlichkeiten zuzurechnen ist. Jedoch lässt sichein wesentlicher Unterschied zu anderen politischen Kulten feststellen: DerPiłsudski-Kult war letztlich der Ideologieersatz der Sanacja, dieGemeinsamkeit der in ihr zusammengeschlossenen Gruppierungen. Der Kult verbandsich also nicht mit einer zielgerichteten Ideologie wie etwa der sowjetischeStalin-Kult, der nationalsozialistische Hitler-Kult und der nationalistischeVytautas-Kult, sondern wollte als Ideologie-Ersatz die unterschiedlichengesellschaftlichen Gruppen und Staatsgebiete integrieren und auf diese Weiseden wiedergewonnenen Staat sichern.

4. Chancen und Aufgaben historischer Kultforschung

An den typologischen Überlegungenallgemein und am Beispiel des Piłsudski-Kultes im besonderen wurdeverdeutlicht, dass historische Forschung zu politischen Kulten einenwesentlichen Beitrag zum Verständnis vom Entstehen imaginierter Gemeinschaftenwie der Nation, aber auch anderer sozialer (Groß-)Gruppen und von ihrer jeweiligenkollektiven Identität und Bewusstsein leisten kann. Da politische Kulte alsZeremoniell der Herrschaftsrepräsentation die Bevölkerung in diejeweilige Gesellschaft bzw. das jeweilige System integrieren und die dortvorhandenen Legitimationsdefizite ausgleichen sollen, ist die diesbezüglichehistorische Forschung also eine Notwendigkeit zum Verständnis des jeweiligenpolitischen und ideologischen Systems und der jeweiligen nationalen bzw.staatlichen Gesellschaft. Darüber hinaus kann die historische Kultforschungeinen wichtigen Beitrag zum Verständnis der jeweiligen Gesellschaft, ihrerIdentität (Geschichtsbewusstsein und kulturelles Gedächtnis), sowie ihrerideologischen Grundlagen leisten.

Das Entstehen politischer Kulte kann als Barometer fürdie weitere Entwicklung eines politischen Systems aufgefasst werden. Durchpolitische Kulte, die in der Regel Personenkulte sind, wird die politischeMacht personalisiert und auf die im Falle des Kultes um lebende Personen aufdie verehrte Persönlichkeit und im Falle des Totenkultes auf deren Nachfolgerkonzentriert. Durch politische Kulte wird deutlich, wie weit der politischeDiskurs reguliert und begrenzt ist. Es kann anhand der Berichterstattung, z.B.bei der Analyse der kritischen Äußerungen über den Kult, festgestellt werden,wie sehr die Kontrolle und Zensur der Medien etabliert wurde. Schließlich kannauch noch analysiert werden, wie weit die Machthabenden die Kontrolle über denSozialisationsprozess und die Erziehung in der Gesellschaft haben, [47]  ob beispielsweise die verehrte Persönlichkeit dem Mythos entsprechend in denSchulbüchern dargestellt wird.

Der Vergleich von historischen Kulten ist auch aus einerweiteren Perspektive interessant: Es gab in den Ländern ehemaligen "Ostblock"neben dem Lenin- und Stalin-Kult, die dort im Rahmen der sowjetischenVorherrschaft notwendig waren, zahlreiche stärkere und schwächerePersonenkulte. Der Grad ihrer jeweils spezifischen auf die eigene Geschichtezugeschnittenen Ausprägung kann ein Indikator für den Grad der Unabhängigkeit(sbestrebungen)von der sowjetischen Vorherrschaft sein, worauf etwa die Kulte um Tito, Hoxhaund Çeauşescuhinweisen. [48] 

Daher ist historische Kultforschung ein wichtiger Ansatz,die politische Kultur der autoritären und totalitären Regime derZwischenkriegszeit in Ostmitteleuropa sowie der sozialistischen Staaten nach1945, aber darüber hinausgehend verschiedene Nationsbildungsprozesse inOstmittel-, Südost- und Osteuropa zu analysieren. Von ihren bisherigenmethodischen und theoretischen Ergebnissen kann einerseits die historischeOsteuropaforschung profitieren, andererseits kann sie auch die historischeKultforschung prägen, da im Bereich Ost-, Südost- und Ostmitteleuropaszahlreiche politische Kulte zu finden sind, die noch nicht (ausreichend)erforscht sind und durch deren Erforschung wichtige Beiträge zur historischenKultforschung geleistet werden können.

 

5. Bibliographie

Anmerkung: Hier werden nur die im Text genannten älteren undseit1995 erschienene Arbeiten, die sich explizit mitPersonenkultenbeschäftigen, aufgenommen. Nicht aufgenommen wurdeneinzelneBeiträge aus Sammelbänden. Da politische Kulte alssozialePraxis von politischen Mythen sind, sei zur Ergänzungdieumfassende Bibliographie im Beitrag "HistorischeMythosforschung"innerhalb dieses Handbuches empfohlen.

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5.5. Südosteuropa

Gabany, A.U.: Personenkult und Kultperson. RumänienfeierteÇeauşescus XE "Çeauşescu,Nikolaie" Geburtstag. In: Osteuropa 28 (1978),S.714-718.

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Stand: Januar 2005
Letzte Änderung: 21.Februar 2005
Email-Adresse der Autorin: heinh@staff.uni-marburg.de
Digitales Handbuch zur Geschichte und Kultur Russlands und Osteuropas (www.vifaost.de/geschichte/handbuch)

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 
 

[1] "Über die Beseitigung des Personenkultes und seinerFolgen" ("O preodolenii kul’ta ličnosti i ego posledstvij", zit. nachLöhmann, Stalinmythos, 6f., vgl. auch ebd., 6-10.
[2] Vgl. Gazeta Polskavom 30.XI.1930 und vom 21.I.1932 und Hein: Piłsudski-Kult und seineBedeutung, 14-18.
[3] Neben den im Folgenden genannten: Meyer-Landrut:"Der unerschütterliche Kämpfer"; Stölting: Charismatische Aspekte;Tucker: Rise; Turkmarin: Religion; dies.: Lenin Lives!; Velikanova:Lenin-Kult; Kupieckie: Natchnienie; ders.: Od VIII plenum.
[4] EtwaPaltiel: Cult of Personality; Könen: Große Gesänge; Gunther: Held;Fromm: Kult; Held (Hg.): Cult of Power; Gardner (Hg.): Leadership andthe Cult of Personality; Politics as Leadership; Heller, Plamper (Hg.):Personality Cults; Apor (Hg.): Leader Cult.
[5] Etwa Hein:Pilsudski-Kult und seine Bedeutung.
[6] Lang: Kult, 482, Goetz: Kult;Hoheisel, Kult; Opahle: Kult; vgl. auch Hein: Piłsudski-Kult und seineBedeutung, 4f.
[7] Hernegger: Mensch, vor allem 54-57, 74ff. Siehe auchHein: Piłsudski-Kult und seine Bedeutung, 5f.
[8] Rees: Leader Cults,4.
[9] Weber: Typen, 475-488; vgl. auch Biernat: Legitymizacja; ders.:Pilsudski, 14-80; ders.: Fenomen; Stölting: Massen. Rees: Leader Cults,4, sieht die legitimatorischen Funktionen im Gegensatz zu denVorstellungen Max Webers, die m.E. jedoch über die bloße Legitimationhinausgehende Funktionen sind (s.u.).
[10] Geiger: Führer, 244(Hervorhebungen im Original).
[11] Ebd., 233.
[12] Rees: Leader Cults,15.
[13] Ennker: Anfänge, 8.
[14] Weber: Wirtschaft, 1.
[15] Zupolitischen Mythen siehe Hein: Historische Mythosforschung.
[16]Löhmann: Stalin-Mythos, 10 ff.
[17] Flood: Politischer Mythos.
[18]Löhmann: Stalin-Mythos,10.
[19] Richtungsweisend: Mosse,Nationalization. Vgl. etwa auch Weis: Ritual.
[20] Rader: Prismen, 329,siehe auch ebd., 318.
[21] Freitag: Führermythos, 16.
[22] Zu politischenFeiern vgl. auch Hein: Pilsudski-Kult und seine Bedeutung, 11-12,214-216; Schreiner: Tote; Schneide:, Politische Feste, Behrenbeck:Kult; Keller/Schmid: Einführung.
[23] Even-Zohar: Polysystem Theory,43.
[24] Azaryahu: Wilhelmplatz,18-22.
[25] Mai, 137.
[26] Zum Denkmalvgl. ebd., Tacke, Denkmal, vgl. auch Hein: Piłsudski-Kult und seineBedeutung, 178ff.
[27] Vgl. zum Folgenden Hein: Piłsudski-Kult und seineBedeutung, 339-348.
[28] Der 25. Mai wurde gleichzeitig als TitosGeburtstag und als Tag der Jugend gefeiert, obwohl Tito am 7. Maigeboren wurde.
[29] Zu den Führerkulten etwa in Arbeitermilieus unddemokratischen Bewegungen vgl. Korff: Politischer Heiligenkult; ders.:Bemerkungen; vgl. auch Groh: Cäsarismus; Fromm: Cult of Power;Suedfeld: Leadership; Stölting: Massen.
[30] Zu Personenkulten vor allemin sozialistischen Systemen und der Sowjetunion vgl. etwa Steinberg:Personenkult; Ahlberg: Personenkult; Gill: Personality Cult; ders.:Soviet Leader Cult.
[31] Nelson: Çeauşescu-Kult, Georgescu: Politics;Gabany: Personenkult.
[32] Rader: Prismen, 345.
[33] Ebd.
[34] Vgl. Vogel:Nationen; Koselleck: Kriegerdenkmale. Vgl. auch Behrenbeck: Heldenkultund Der Politische Totenkult.
[35] Perrie: Nationalism; dies.: Cult.
[36]Rees: Leader Cults, 10; vgl. auch Tumarkin: Living.
[37] So Koselleck:Einleitung, 10.
[38] Rees: Leader Cults, 17.
[39] Ebd., 5-7.
[40] Rader:Prismen, 345.
[41] Rees: Leader Cults, 7.
[42] Zum Folgenden vgl. Hein:Piłsudski-Kult und seine Bedeutung, 63-368.
[43] "Ceremoniał pogrzebuMarszałka Piłsudskiego ma być bez precedensu na przyszłość" (ArchiwumAkt Nowych, Prezydium Rady Ministrów; Protokuły Posiedzeń, 78, B.442).
[44] "najbardziej trwały pomnik Marszałka" (Centralne ArchiwumWojskowe, Gabinet Ministra Spraw Wojskowych I.300.1.346, n.pag.).
[45]"praca nad budową siły i ducha i świadomej miłości Ojczyzny w sercachobywatelów" (ebd.).
[46] Droga v. IV/V. 1927, S. 2.
[47] Rees: LeaderCults, 8.
[48] Ebd., 19.

 

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Inhalt:

1. Definition und Komponenten von politischen Kulten
2. Typologische Überlegungen
3. Fallbeispiel: Der Piłsudski-Kult
4. Chancen und Aufgaben historischer Kultforschung
5. Bibliografie

 

 

   

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