ViFaOst Startseite Russland, Wolgograd, Statue Rodina mat' (dt. 'Mutter Heimat') Russland, Rostow Welikij, Portal der Kirche Cerkov' Sretenija nad vodnymi vorotamy im Kloster Monastyr' Borisoglebskij Polen, Warschau, modernes Gebäude Plakat 'Russische Revolution' Ausschnitt aus einer mittelalterlichen glagolitischen Handschrift Bosnien und Herzegowina, Mostar, Ausschnitt der die Neretva überspannenden Alten Brücke (Stari Most) Tschechien, Prag, Rathausuhr Russland, St. Petersburg, Erlöser-Kathedrale Spas na krovi W. Tatlin, Monument zur Dritten Internationale (1919) (Ausschnitt) ViFaOst
      Deutsch | Русский |  English
 
Nächsthöhere Ebene

The "Freising Manuscripts"

Online-facsimile of the Slavic texts from Bishop Abraham's missale

→ Monuments I and III (158va-161va)
→ Monument II (78rv)
→ Bishop Abraham's mission manual

Das „Missionshandbuch“ des Bischofs Abraham von Freising gehört zu den ehrwürdigsten und inhaltlich vielschichtigsten Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. Es stellt ein einmaliges Denkmal der geistigen Kultur Bayerns in der späten Karolingerzeit und zugleich ein Zeugnis von immenser kulturellerund nationaler Bedeutung für Slowenien dar.

Die schmucklose, von zahlreichen verschiedenen Händen in karolingischer Minuskel geschriebene Pergamenthandschrift ist größtenteils in Freising während der Amtszeit des Bischofs Abraham (957-994) entstanden. Sie enthält ein vielfältiges Corpus meist lateinischsprachiger homiletischer und liturgischer Texte sowie einige Stücke aus dem weltlichen und dem Kirchenrecht. Besonders hervorzuheben sind mehrere authentische Predigten des Rather von Verona, die von den kulturellen Verbindungen zwischen Bayern und Oberitalien zeugen, sodann ein in unikaler Überlieferung erhaltener Judeneid und die ebenfalls nur hier erhaltenen Beschlüsse des bayerischen Landtags zu Ranshofen, die als erstes Territorialgesetz der deutschen Rechts- und Verfassungsgeschichte gelten. Kleinere griechische Textstücke gehören zu den seltenen Zeugnissen für die fortlebende Kenntnis dieser Sprache vor dem hohen Mittelalter.

Besondere Berühmtheit hat das Missionshandbuch des Bischofs Abraham durch die viel, bisweilen leider ohne Berücksichtigung ihres kulturellen Kontexts, erforschten slawischsprachigen Passagen erlangt. Auf insgesamt 9 der 338 Seiten (78rv, 158va-161va) befinden sich die so genannten ,Freisinger Denkmäler’ (slowenisch ‚Brižinski spomeniki’), die nicht nur die mit Abstand frühesten Zeugnisse des Slowenischen und einer slawischen Sprache in lateinischer Schrift überhaupt sind, sondern zugleich eines der wichtigsten Dokumente der mittelalterlichen slawischen Kultur, der „Slavia christiana“. Wie die übrigen Texte des Codex entstanden sie im Zusammenhang mit der Missionstätigkeit des Bistums Freising, dessen Besitzungen sich auch auf Kärnten und Krain erstreckten.

Die slawischen Textstücke beinhalten zwei Beichtformeln (Denkmal I und III) sowie eine Beichthomilie (Denkmal II). Das erste und das dritte Freisinger Denkmal tragen deutliche Züge mündlicher Überlieferung, vermutlich da es sich um Texte handelt, die von den Gläubigen nachzusprechen waren. Das literarisch anspruchsvollste zweite Freisinger Denkmal hingegen lässt auf eine schriftsprachliche Vorlage schließen. Für alle drei Texte sind nicht erhaltene Übersetzungsvorlagen anzunehmen, über die in der Forschung jedoch keine Einigkeit besteht – in Betracht kommen althochdeutsche, eventuell aber auch anderssprachige, etwa im Patriarchat Aquileia, entstandene Texte (Aquileia spielte bei der westlichen Slawenmission ebenfalls eine wichtige Rolle). Zudem scheint es Beziehungen zu Texten der kyrillomethodianischen Mission zu geben.

 
   

Gefördert von der DFG   Partner von Webis