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Osteuropäische Geschichte als Kulturgeschichte

Rainer Lindner

Osteuropäische Geschichte als Disziplin ist im Wandel begriffen. Vorschnelle Kritiker sahen ihre Bedeutung schwinden, als nach dem Ende des Ost-West-Konflikts der Untersuchungsraum an politischer Relevanz verlor. Einsparungen und Kürzungen in Forschung und Lehre waren die Folge. Die deutschsprachige Forschung hat darauf mit einer Quellen- und Methodenoffensive reagiert. Die Gleichzeitigkeit von Archivrevolution und cultural turn hat diese Offensive beflügelt. Der vorliegende Aufsatz zieht eine Zwischenbilanz der kulturgeschichtlich inspirierten Osteuropaforschung. Am Beispiel der russischen und der sowjetischen Geschichte werden Themen, Fragestellungen und Erkenntnisse diskutiert.

Wer sich der Kulturgeschichte zuwendet, lenkt seine Aufmerksamkeit auf die Details in den Lebenswelten und Milieus des einzelnen Menschen oder sozialer Gruppen. Waren es noch vor wenigen Jahren hauptsächlich Quantitäten als Indikatoren sozialer Dynamik, die das Forschungsinteresse auf sich zogen, kommt unterdessen der Welt der Zeichen und Symbole eine neue Bedeutung zu. "Kultur", die als die Gesamtheit menschlicher Motivationen und Handlungen verstanden wird, tritt dem Historiker nicht selten im Detail, in Symbolen entgegen, die als Stellvertreter von Sinn eine kommunikative Funktionalität oder Leistungsfähigkeit besitzen. Symbole sind an historische Zustände gebunden und wandeln sich mit dem Wandel der historischen Welt.

Im folgenden sollen exemplarisch neuere kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die Geschichte Rußlands und der Sowjetunion vorgestellt werden. Ich beschränke mich im wesentlichen auf die deutschsprachige Forschung; die maßgeblichen Impulse aus der nordamerikanischen Rußlandhistoriographie können hier nur mitgedacht, nicht aber ausgeführt werden. Mit Blick auf Otto Hoetzschs Vorrede zur ersten Ausgabe von "Osteuropa" 1925 ("natürlich steht Rußland im Mittelpunkt"), vor allem aber aufgrund meiner begrenzten Wissensbezirke wird hauptsächlich vom zarischen Rußland, der Sowjetunion und der postsowjetischen Welt, nicht aber von Ostmitteleuropa oder Südosteuropa die Rede sein können. [1]

Die Osteuropäische Geschichte ist wie kaum eine andere geschichtswissenschaftliche Disziplin seit zehn Jahren in einem tiefgreifenden Wandel begriffen. Diese Veränderung besitzt drei mindestens Dimensionen:

Erstens hat die Osteuropaforschung nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes, den manche gar für das "Ende der Geschichte" hielten, offensiv nach ihrer eigenen Existenzberechtigung gefragt. Die kontroverse Diskussion "Wohin steuert die Osteuropaforschung?" ging nicht zufällig von den Historikern aus und hat die Diskursivität des Faches, vor allem die Diskussion um Methoden historischen Forschens, fraglos belebt. [2] Die Unruhe, in die das Fach geriet, hat ihm nicht geschadet. Vielmehr hat sie es ermöglicht, daß mit der Emanzipation des Faches von seiner politischer Relevanz in der Zeit des Kalten Krieges auch eine neue Methodendiskussion in Gang gekommen ist, die die Innovationen der vergangenen Jahrzehnte keineswegs geringschätzt.

Zweitens hat sich die Quellen- und Materiallage nach 1989/91 stark gewandelt. Mit der politischen Öffnung der Staaten öffneten sich auch die zentralen und regionalen Archive für Benutzer aus dem In- und Ausland. Die Geschichte selbst schien sich zu öffnen. Unterdessen ist in Rußland und anderen postsowjetischen Staaten die Tür häufig wieder geschlossen und der Zutritt erneut stark reglementiert. [2] Hinzu kam, daß mit der Differenzierung Osteuropas als Raum, mit der Entstehung neuer (oder der Wiedererstehung alter) Staaten sich auch die Osteuropageschichtsschreibung "regionalisiert" hat.

Drittens vollzog sich ein grundlegender methodischer Wandel. Neue Quellen haben neue Forschungshorizonte eröffnet, Historiker begannen, neue Fragen an diese Quellen zu richten. Osteuropäische Geschichte galt in der kritischen Wahrnehmung der Geschichtswissenschaft als ihrer Mutterdisziplin häufig als inhaltlicher und methodischer Nebenschauplatz. In Verbindung mit den wichtigen Forschungserträgen der politischen Geschichte und der Sozialgeschichte trägt die neue Kulturwissenschaft in der Osteuropäischen Geschichte dazu bei, dieser distanzierten Wahrnehmung der allgemeinen Geschichtswissenschaft immer stärker den Boden zu entziehen.

1. Was leistet die Kulturgeschichte?

Kulturhistoriker beschreiben Geschichte nicht, sie "lesen" sie. Dabei bedienen sie sich eines spezifischen Instrumentariums. Leitbegriffe kulturwissenschaftlicher Geschichtsschreibung sind "Symbol", "Ritual" und "Kommunikation". Symbole formen als reflexive Zeichen die Kommunikationssituationen; Symbole, zu denen Artefakte ebenso wie Handlungen gehören, formen Kommunikation. Kommunikation wird hier mit George H. Mead und Jürgen Habermas über den bloßen zwischenmenschlichen Informationsaustausch hinaus als verständigungsorientierte, symbolisch vermittelte Interaktion betrachtet. [3] Dabei sind soziale, infrastrukturelle und politische Rahmensetzungen für Kommunikation zu berücksichtigen. Kulturhistorisch argumentierende Arbeiten dechiffrieren solchermaßen die Symbolik einer konkreten Konfiguration gesellschaftlicher Wirklichkeit.

"Moskau lesen. Die Stadt als Buch" lautete der Titel des bereits 1984 erschienenen Essays von Karl Schlögel, [4] in dem sich der Historiker mit einem interdisziplinären Instrumentarium die russische Geschichte und Kultur am Beispiel der ersten Hauptstadt ausbreitet. Es ist jenes Herangehen, mit dem Roland Barthes Mitte der 1970er Jahre, Japan oder "den Orient" als das "Reich der Zeichen" entdeckte, eine Zeichenwelt, die sich unseren westlichen Kommunikationsstrategien nicht ohne weiteres öffnet. Barthes blickte nicht mit "verliebten Augen auf ein 'Wesen des Ostens’". Was er vielmehr erkannte, war eine Differenz der Symbole, die den subversiven Blick auf die eigene Kultur und Kommunikation schärfte. [5] Das Lesen symbolischer Dimensionen sozialen Handelns und seine Interpretation als Zeichen war später der Leitgedanke des "dichten Beschreibens", wie es Clifford Geertz vorgeschlagen hat. [6]

Kulturgeschichte rekonstruiert vergangene Sinnwelten anhand der in den Quellen festgehaltenen Tatbestände, der Handlungs- und Motivationsspuren, der Kommunikationssymbole. [8] Dabei gilt es, sich auch der Zwischenräume, der Abweichung, der Varianten und Kadenzen historischer Realität anzunehmen. Das, was mit den Methoden der neuen Kulturgeschichte zu erforschen ist, fügt sich oftmals nur mühsam einer standardisierten Begrifflichkeit. So regte Schlögel für die Sowjetperiode u.a. eine "Geschichte des Sichdurchwurschtelns" an und verwies dabei auf die tausendfachen Biographien, die sich mit dem Bild des "neuen Menschen" nicht einfangen ließen. [7]

Kulturwissenschaftlich argumentierende Geschichte deutet das Detail in seinen Beziehungen zu den sozialen Umständen, ohne den Bezug zu größeren Bedeutungskontexten, den Bezug auf übergreifende Strukturen und Prozesse einzubüßen. Einem "kleingekammerten 'Blick von unten’" (Dietrich Geyer) geht jede Überzeugungskraft ab. [10] Nur durch eine Kontextualisierung kann die Kulturgeschichte zugleich dem Vorwurf des "Obskurantismus", der selbstgenügsamen Faszination am Entlegenen, entgehen. Wenn der Wahlspruch der Postmoderne "anything goes" zum forschungsleitenden Programm erhoben wird und sich Beliebigkeit der Themenwahl breitmacht, wird die Kulturgeschichte als Konzept keinen Bestand haben. [8]

Kulturgeschichte widmet sich Zentren und Peripherien, sozialen Ober- und Unterschichten, ethnischen Mehr- und Minderheiten gleichermaßen. Sie trägt eine produktive Skepsis gegenüber Bedeutungsmittelpunkten in sich und orientiert auf eine gleichrangige Betrachtung der Phänomene. Kulturgeschichte steht nach Christoph Schmidt in der Tradition der Aufklärung. Ihr gelten "Nah und Fern, Krähwinkel und Kalmücken, Eigenes und Fremdes im Hinblick auf den Bildungswert als nahezu ebenbürtig". [12] Das "off-center reading" eines imperialen Texts wie des russischen Zarenreiches, der Sowjetunion oder des British Empire von der Peripherie her fördert insofern Gegenwelten und neue Beziehungslagen zutage. Der Kultursoziologe Arjun Appaduraj hat die "Dekolonisierung des Kricket in Indien" beschrieben und dabei sehr viel über die Kolonialmacht England aussagen können. Die partielle Emanzipation von dem starken Normenapparat des englischen Spiels in der Kolonie und die Einbeziehung spezifisch indischer Symbole und Bezeichnungen hat den vorgesehenen Normen- und Symboltransfer unterlaufen und in Gestalt eines "cricket nationalism" das Sonderbewußtsein indischer Kricketspieler gestärkt. [13] Für das Zarenreich haben Trude Maurer und Eva-Maria Auch mit ihrem Sammelband "Leben in zwei Kulturen" das Zentrum von Rande her betrachtet. [14] Systematische, aber ausdrücklich nicht kulturgeschichtlich angelegte Pionierarbeiten wie "Rußland als Vielvölkerreich" von Andreas Kappelers haben den Weg für zahllose Studien gewiesen, in denen der imperiale und ethnisch heterogene Raum als neues Forschungsfeld einbezogen und mit sozial- und kulturwissenschaftlichen Kategorien zu durchmessen begonnen wurde. [9]

Kulturgeschichte wird von ihren Kritikern vielleicht nicht ganz zu Unrecht als "Forschungstrend", als "Mode" bezeichnet, die in absehbarer Zeit durch neue Trends abgelöst werden wird. Dieser Vorwurf läßt außer acht, daß der Perspektivwechsel, den insbesondere die jüngere Generation der Osteuropahistoriker vorgenommen hat, Auswirkungen auf das Geschäft des Historikers hat. Die Kulturgeschichte, die sich in den 1990er Jahren durchzusetzen begann, hat eine neue Diskursivität des Faches bewirkt. Dazu haben neue institutionelle Rahmen wie kulturwissenschaftlich orientierte Sonderforschungsbereiche, Gesprächsforen wie der Stalinismus-Arbeitskreis oder auch die Konstanzer Workshops "Neue kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die Geschichte Rußlands und der Sowjetunion" beigetragen, deren Ergebnisse in Kürze vorliegen werden. [10] Einrichtungen wie das "Geisteswissenschaftliche Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas" in Leipzig haben in kurzer Zeit einen beeindruckenden Beitrag zur Profilierung ost(mittel)europäischen Kulturgeschichtsschreibung geleistet und auf diese Weise die Leipziger Tradition Karl Lamprechts der Kulturgeschichtsschreibung beleben können. [17]

Schließlich umfaßt Kulturgeschichte mehr als eine "Kehrtwende der Sprache". Der linguistic turn hat sich zu einem heuristic turn erweitert. Methode und Ergebnis stehen in guten kulturwissenschaftlichen Arbeiten in einem "zirkulären Verhältnis" (Ute Daniel) und bedingen einander. [18] Neben der Diskursivität ist die Interdisziplinarität als strukturelles Merkmal der neuen Kulturgeschichte hervorzuheben. Die Fachkonkurrenz zwischen Slawisten und Soziologen oder Geographen und Osteuropahistorikern wird dabei verringert. Im Blick auf die internationale Forschungslandschaft sind jedoch Entwicklungsvorsprünge nicht zu übersehen. Die Lücke der Methodenkompetenz verläuft insofern weniger zwischen Deutscher und Osteuropäischer Geschichte, sondern eher zwischen europäischer und amerikanischer Historiographie. Während in Europa erst seit Mitte der 1990er Jahre Grundsätzliches zu Kulturwissenschaft und Kulturgeschichte gesagt wird, berichteten US-Forscher bereits seit Ende der 1980er Jahre von den Prämissen der "neuen Kulturgeschichte". Während in Europa jetzt die quellengestützten kulturgeschichtlichen Arbeiten erscheinen, wird jenseits des Atlantiks bereits nach Forschungshorizonten "beyond the cultural turn" gefragt. [19] Hier wird eine Rekonzeptualisierung des Sozialen vorgeschlagen, eine Synthese, die einen Rückweg zur separierten Politikgeschichte oder Sozialgeschichte ausschließt.

Kulturgeschichte als solche ist nicht neu. [20] Die allgemeinen Voraussetzungen der Historischen Kulturwissenschaft, die von Jacob Burckhard seit 1860, von Max Weber und anderen um 1900 geschaffen wurden, sind hinlänglich bekannt. Für Weber bestand der Reiz historisch-soziologischen Forschens darin, die "Lebenserscheinungen in ihrer Kulturbedeutung zu erkennen". [11] So können soziologische Ansätze wie der Gabentausch oder Reziprozität als Bestandteil sozialen Handelns (Marcel Mauss) zur Erforschung der staatlichen, herrscherlichen oder privaten Wohltätigkeit nutzbar gemacht werden. Osteuropahistorikerinnen und -historiker haben zuletzt häufiger die Wohltätigkeit oder Stiftertätigkeit ins Zentrum ihrer Untersuchungen gerückt. [12]

Der kulturwissenschaftliche Beitrag der Historischen Anthropologie, die sich Familie, Verwandtschaft, Geburt, Tod, Ritualen, Lebensweisen, Mentalitäten, zur Rekonstruktion vergangenen menschlichen Handelns ("after the fact") zugewandt hat, ist kaum zu unterschätzen. [23] Auf diese Vorarbeiten und Schulen kann die osteuropabezogene Kulturgeschichte ebenso aufbauen, wie auf den frühen Klassikern der eigenen Zunft, etwa James H. Billingtons "The Icon and the Axe".[24]

Die Kulturgeschichte hat sich, ungeachtet anfänglicher Kritik, durchsetzen können. 1985 war der als "Historie des Alltags", als "oppositionelle Geschichtswissenschaft" wahrgenommenen Kulturgeschichte etwa von Hans-Ulrich Wehler ein Theoriedefizit attestiert. 1996 wies Wehler nochmals auf Gefahren einer "Privilegierung der kulturellen Dimension" hin. [13] Zugleich räumte er ein, daß das "weite Feld der 'Kultur'" von der Sozialgeschichte vernachlässigt worden sei. "Während die Faszination durch Sozialstruktur, Ökonomie und eine sozialökonomische Erklärung von Politik anhielt, blieben Sitten, Rituale, Feste, Gebräuche, Verhaltensweisen, Symbole, Emotionen, Affektkontrolle, Wahrnehmungsformen weithin unberücksichtigt." [26] Insofern ist es angebracht, mit Rudolf Vierhaus von einer "neuen Wende zur Kulturgeschichte" [14] oder einer "neuen Kulturgeschichte" zu sprechen, die nicht nur eine weitere "Bindestrich-Geschichte" sein will, sondern den Rang eines ganzheitlichen historiographischen Paradigmas unter Einschluß der politischen und Sozialgeschichte, beansprucht. [15]

Kurzum, der Wandel, den die Osteuropahistorie erlebt [16], hat die interdisziplinäre Kompatibilität mit Nachbarwissenschaften deutlich erweitert und die Analysekraft historischer Forschung um wichtige Dimensionen erweitert. All das steht in einem dramatischen Mißverhältnis zu den Einsparmaßnahmen, die die Osteuropaforschung in der jüngeren Vergangenheit ereilt haben. Wer an der deutschen Osteuropakompetenz mit ihrer weit über hundertjährigen Tradition spart, glaubt offenbar wirklich an das "Ende der Geschichte" und ahnt nichts von den Herausforderungen, die uns politisch (und deshalb auch historisch-analytisch) erst noch erwarten.

2. Russische Geschichte als Kulturgeschichte

Welche Bereiche sind es, denen sich die deutsche Osteuropaforschung unter kulturgeschichtlichen Vorzeichen insbesondere zugewandt hat?

Zunächst sind es Lebenswelten, Vorstellungswelten: Alltagsgeschichte, Mentalitätsgeschichte – als Vorläufer der neuen Kulturgeschichte – sind durch Untersuchungen zu Stil- bzw. Trägergruppen sozialer Identität ergänzt worden. Es macht vor dem Hintergrund der zurückliegenden sozialgeschichtlichen Forschungsperiode tatsächlich Sinn, die soziale Praxis, die Lebenswelten und Symbole von sozialen Gruppen, Gendergruppen und Individuen stärker als bisher zu untersuchen. "Es versteht sich von selbst, daß in solchem verstehenden Forschen der Mensch als Schöpfer der Kultur, in die er versetzt ist, wieder in den Vordergrund treten muß", so Jörg Baberowski. [30]

Carsten Goehrke ist im Begriff, den "Russischen Alltag" vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart der Sowjetunion in einem groß angelegten Projekt nachzuzeichnen. Dabei gehört der Zürcher Emeritus zu den ganz wenigen deutschsprachigen Historikern, die die mittelalterliche und neuzeitliche Geschichte des östlichen Europas überblicken, ohne sich dabei nur auf Rußland zu konzentrieren. Das kulturgeschichtlich angelegte Werk erweist sich als gleichermaßen von Arbeiten der russischen Ideen- und Mentalitätsgeschichte (Aron Gurevič, Andrej Sinjavskij) inspiriert, wie auch Anregungen aus der westlichen Alltagsforschung Alf Lüdtkes oder Martin Dinges' für die russische Geschichte fruchtbar gemacht werden. [31]Alltagsgeschichte ist in dieser Perspektive eine zeit-, raum- und schichtspezifische Kulturgeschichte der Lebens- und Vorstellungswelten von Individuen und sozialen Gruppen. Für das quellenkarge 9. Jahrhundert scheut sich das methodenstarke Opus Magnum Goehrkes nicht, "dokumentarische Fiktionen" in die Zeitbilder einzufügen und greift damit Forderungen nach stärkerer "Narrativität" moderner Geschichtsschreibung auf. [17]

In anderen Arbeiten repräsentieren Integrationsstrategien jüdischer Unternehmer des Zarenreiches, Wohnverhältnisse in der frühen Sowjetunion, Anpassungs- und Abgrenzungsstrategien von Stil- und Berufsgruppen in zarischer und sowjetischer Zeit oder auch der Funktionswandel ethnischer Distinktionsmerkmale in der Zeit der korenizacija das neue Forschungsinteresse. Im zweiten Halbband 5,2 des "Handbuches der Geschichte Rußlands" ist ein Beitrag Stefan Plaggenborgs zu Alltag und Lebensverhältnisse im sowjetischen Sozialismus zu erwarten; das Handbuch selbst ist als zeitüberspannendes Projekt im Begriff, den Wandel in der deutschen Osteuropahistoriographie nachzuvollziehen. [18]

Die Binnenwelt des sowjetischen "Ich", des Repräsentanten unterschiedlichen Geschlechts, Generation, Nationalität, Glaubensbekenntnisses oder politischer Gesinnung ist seit der Archivöffnung und dem (zumindest in Europa) fast zeitgleich einsetzenden "cultural turn" in den Blick der Osteuropahistoriker geraten. Seither halten Analysen des öffentlichen und des privaten Lebens, der zahlreichen Interaktions- und Kommunikationsmuster und die Symbolwelt von Bauern, Arbeitern, Frauen, Männern, Jugendlichen, Partei- oder Politbüromitgliedern, von Ingenieuren, Metrobauern, Historikern oder Mullahs die Forschung in Atem.

Lebenswelten von Individuen, von sozialen Trägerschichten, aber auch von Stilgruppen und Gegenwelten werden thematisiert, etwa in der Studie zur Gegenwelt der Stiljagi von Mark Edele. [19] Hier wird Selbststilisierung als Dissenskultur untersucht und als ein Phänomen verstanden, das in Gestalt der anderen "strange young men" der russischen Geschichte, den Dandies, den Narodniki oder den Nėpmany nicht unbekannt ist. Der Dissens hatte dabei nicht primär antirevolutionären Gestus, sondern suchte nach Gegenwelten per se. Die Tagung "Lebensstile und Gruppenidentitäten in Sowjetrußland während der Neuen Ökonomischen Politik" an der Universität der Bundeswehr Hamburg im Januar 2001 hat auf Initiative von Nikolaus Katzer und Sandra Dahlke das Bourdieusche "Lebenstil"-Konzept mit Arbeiten zu den Schwerpunkten "Individuum und politischer Kontext", "Fabrikarbeit und Alltag", "Städtische Lebensräume: Wohnen und Freizeit", "Jugend", "Herrschaft und Peripherie" konfrontiert. [35] Mikrogeschichte, die der Tagung als Leitmethode diente, hat Julia Obertreis in ihrer Arbeit weiterentwickelt. [20] Es handelt sich um eine Arbeit, die in einer Mikroanalyse das Haus Nr. 55 an der Fontanka vorstellt, das Wohnen als Lebensform zwischen Politik und Alltag untersucht, den "Neuen Menschen" als ungewaschenen Müßiggänger oder Aktivisten präsentiert. Die Arbeit von Obertreis zeigt, wie inspirierend Anstöße der vorangegangenen Forschergeneration für junge Historikerinnen und Historiker sein können. 1998 hatte Karl Schlögel mit seinem Aufsatz zur Kommunalka fast beiläufig einen neuen Forschungsraum geöffnet, [37] Obertreis hat diesen Raum mit einem mikrokosmischen Quellenteppich ausgelegt.

Zweitens geht es um Herrschaft: Herrschaftstechnik, Herrschaftssprache, Herrschaftsinszenierung, Gewalt- oder Kriegserfahrungen werden anhand neuer Quellen untersucht. [21] Zur Herrschaftssicherung gehörten das Gerücht, die Denunziation ebenso wie die Symbolik (Zeremonien, zeremonielle Rituale, Uniformen, Denkmale) der Macht. Das Potential der Kulturgeschichte liegt darin, Herrschaft oder Kriege auf ihrer lokalen und kognitiven Wirkungsebene zu analysieren. Nicht nur Staaten oder Regierungen üben Macht aus, sondern auch Russen über Juden, Vorarbeiter über ungelernte Hilfsarbeiter, Männer über Frauen. Die Stalinismusforschung ist dabei zu einem der Innovationskerne der Osteuropaforschung geworden. Die Verlagerung des Blickes von der zahlenorientierten Opferforschung (à la "Schwarzbuch Kommunismus" [22]) zum Alltag von Gewaltherrschaft ist wesentlich der kulturgeschichtlichen Perspektive zu verdanken.

Die Sowjetgeschichte war Gewaltgeschichte. Darüber besteht sowohl bei Traditionalisten wie Revisionisten der Sowjetforschung weitgehend Einigkeit. Terror und Gewalt haben als dunkle Konstanten der sowjetischen Geschichte zuerst das Interesse der Historiker an verborgenen Beständen der Archive geweckt. Der Zusammenhang von Strukturen und Personen, von Planung und Kommunikation, ist für die Analyse des Terrors ein wichtiger Forschungsansatz. Auch die Geschichte des GULag wird auf der neuen Quellenbasis neu geschrieben werden müssen, wobei das eigentlich Neue der Kulturgeschichte die Fragen an die Quellen und nicht die Quellen selbst sind, aus denen sie schöpft. Was bislang aus Memoiren und den bekannten literarischen Verarbeitungen rekonstruiert wurde, kann jetzt konfrontiert werden mit den amtlichen Dokumenten auf zentraler und regionaler Ebene. Auch für die deutsche Sowjetunionforschung setzt dabei die GULag-Studie von Anne Applebaum neue Maßstäbe. Auf der Grundlage von jetzt zugänglichen Archivdokumenten konnte sie die Akten der GULag-Verwaltung, Inspektorenberichte, Buchhaltung, Briefe von Lageradministratoren an die Vorgesetzten in Moskau, Berichte über Fluchtversuche, Berichte über Theater- und Musikproduktionen von Lagertheatern und -orchestern auswerten. Zusätzlich wurden Dokumente aus Regionalarchiven in Petrozavodsk, Archangel'sk, Syktyvkar, Vorkuta und den Soloveckij-Inseln einbezogen. Hinzu kamen Dokumentenbestände von Lagern wie dem Dmitlag, jenes Lagers, dessen Insassen den Moskva-Volga-Kanal erbauen mußten. In den dort zu findenden Quellen sprechen Beamte ebenso wie Häftlinge, Wachmannschaften oder Besucher in der ihnen eigenen Sprache. [23]

Neben Tätern und Opfern gab es Beobachter und Mitläufer. Sie stellen trotz der großen Opferzahlen die weitaus größte soziale Gruppe dar. Wodurch fielen die Unauffälligen auf? Wie nahmen sie den Terror gegen einzelne Gruppen, etwa die Kommunisten, wahr? Inwieweit gingen bolschewistischen Feindmarkierungen wie "Volksfeind", "Verräter" oder "Spione" in die Vorstellungswelt und den alltäglichen Sprachgebrauch größerer Bevölkerungsschichten ein? Erste Arbeiten, die sich der Denunziation und dem Gerücht widmeten, haben den Archiven bereits zahllose Geheimnisse entlockt. [41]

Herrschaftsinszenierung und Herrschermythen werden zusehends als Thema kulturgeschichtlich argumentierender Arbeiten aufgegriffen. Politische Mythen wie der Aleksandr-Nevskij-Mythos, der die russische Geschichte vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart begleitet und den Protagonisten zum Gegenstand regionaler Heiligenverehrung und zur Symbolfigur militärischer Stärke gleichermaßen macht, können auf einer sehr breiten Quellengrundlage erarbeitet werden. Frithjof Benjamin Schenk hat es eindrucksvoll gezeigt. [24] Die Untersuchungen zum Lenin- und Stalinkult durch Benno Ennker, die individuelle Wahrnehmung und (Um)deutung der Welt in vermachteten Gesellschaften, wie in dem von Jochen Hellbeck herausgegebenen Podlubnyj-Tagebuch, die Instrumentalisierung von Literatur und Musik im Zeichen stalinistischer Kulturpolitik, wie von Dirk Kretzschmar und Matthias Stadelmann im Band 5 des Handbuchs der Geschichte Rußlands gezeigt, sind nur einige von zahlreichen Beispielen. [25] Lange nach den Pionierarbeiten des Historikers und passionierten Jazzmusikers Frederick Starr beginnen deutsche Historiker die Kultur (im engeren Sinne des Wortes) kulturgeschichtlich zu durchdringen. Nach der Einführung zum Massenlied der 1930er Jahre von Karsten Brüggemann liegt inzwischen Stadelmanns Dissertation zu Dunaevskij und dem Massenlied als Mobilisierungsphänomen unter Stalin vor. [44] Herrschaft, kulturelle Normsetzung und Musik befanden sich in enger Nachbarschaft, das hat bereits Starr anhand der Jazz-Debatte zwischen Pravda und Isvestija 1936 auf eindringliche Weise beschrieben. [45]

Drittens geht es um die Öffentlichkeit: Der Öffentlichkeit schenkt die neue Kulturgeschichte besondere Aufmerksamkeit. Dabei steht außer Frage, zuletzt nach der Habermasschen Selbstkritik im Vorwort zur jüngsten Ausgabe von "Strukturwandel der Öffentlichkeit", daß es die Öffentlichkeit nicht gibt, sondern von "konkurrierenden Öffentlichkeiten" die Rede sein muß. Im Blick auf das Zarenreich schreibt die Kulturgeschichte der städtischen Öffentlichkeit, dem städtischen öffentlichen Raum besonderes Gewicht zu. Stadt und Stadtgesellschaft machten immerhin 30 Titel von 200 im Jahr 2000 gemeldeten Promotionen und Habilitationen aus. Die Arbeiten zur Herausbildung der modernen Stadt als "Brutstätte" von Öffentlichkeit, so der Begriff von Anna-Veronika Wendland und Andreas R. Hofmann, und zu "bürgerlichen Identitäten" [46] bei Guido Hausmann haben kenntlich gemacht, daß es in vormodernen Gesellschaften die Öffentlichkeit nicht gegeben hat. Wir haben es mit sozial determinierten Teil- oder Proto-Öffentlichkeiten zu tun, die nur nach Interessenlagen miteinander kommunizierten. In Konstanz befaßt sich ein Projekt unter Leitung von Bianka Pietrow-Ennker mit Unternehmern im südlichen Zarenreich und im Königreich Polen, ihren Integrationsstrategien in städtischer Gesellschaft, ihrer Symbolordnung und ihren Kommunikationskanälen. Die Wirtschaftsbürger rezipieren und gestalten Öffentlichkeit gleichermaßen. Durch wohltätiges Wirken, durch ihre spezifische, von Distanz und Nähe zum Adel geprägte Lebensführung gelingt die Konversion von sozialem in kulturelles Kapital. Nicht selten können Städte selbst als Symbol von Wandel und Modernisierung gelten, in denen Symbolkonkurrenzen unterschiedliche Entwicklungsoptionen abbilden. [26]

Für die Sowjetperiode spricht Dietrich Beyrau vom "hybriden Charakter der sowjetsozialistischen Öffentlichkeit", da sie Praktiken absolutistischer Systeme wie die Geheimhaltung mit Massenmobilisierung verknüpfte. [27] Die Gestaltung des städtischen öffentlichen Raumes im Sowjetsozialismus wird in der Habilitationsschrift von Thomas Bohn über die (Re-)Konstruktion der Heldenstadt Minsk beschrieben. [28] Feste und Feiern als Bestandteile einer "inszenierten Öffentlichkeit" gehören inzwischen schon zu Standardthemen der Osteuropäischen Kulturgeschichtsschreibung. Ausgehend von den Pionierarbeiten zu den "Bolshevik Festivals" von Richard Stites und James van Geldern wird vor allem die Dissertation von Malte Rolf neue Akzente setzen. Sie fängt erstmals die regionale und vor allem die Rezeptionsebene der Bevölkerung am Beispiel Voronež und den Zentralen-Schwarzerdegebieten zur Zeit des Frühstalinismus ein. [29] Für die zarische Zeit hat Lutz Häfner im Rahmen seiner großangelegten Studie zu Saratov und Kazan' Jubiläumsfeierlichkeiten als Ausdruck der Konstruktion des öffentlichen Raumes beschrieben. [30] Auch die Verarbeitung historischer Ereigniskomplexe im öffentlichen Bewußtsein, [52] die Steuerung von Geschichtspolitik durch die zarischen, sowjetischen und auch postsowjetischen Administratoren [31] sowie die ethnisch geteilten Erinnerungskonkurrenzen gehören zum Themenspektrum, das sich mit ideen- und kulturgeschichtlichen Methoden erschließen läßt.

Ein wesentliches Zeichensystem im öffentlichen Raum ist die Sprache, die Wirklichkeit nicht widerspiegelt, sondern konstruiert. Kulturgeschichte ist zu einem großen Teil Sprachgeschichte. Die Studien Ingrid Schierles in Tübingen zu Sprachherrschaft und -normen im Rußland des 18. Jahrhunderts werden jene Forschungslücke schließen, die zwischen unserem Wissen über sprachliche Konzepte wie "Vaterland", "Nation", "Patriot", "Herrscher", "Gesellschaft" und der zeitgenössischen Verwendung noch immer klafft. [32] Von der schönen Literatur und deren Deutungsanspruch, wie ihn die Literaturwissenschaftlerin Birgit Menzel zuletzt für die science fiction-Literatur untersucht hat, bis zu den Abkürzungschiffren, die die Jazyk Sovdepij zu einem Sprach- und Herrschaftssystem machten, dessen Wortmonster wie SOJUZTEPLOVOSPUTMAŠ die rationale Organisation der Sowjetgesellschaft repräsentieren sollte, spannt sich der Bogen kulturwissenschaftlich relevanter Fragen. [55]

Daran schließt sich an: die mediale Vermittlung von Sinn. Moderne Gesellschaften sind Mediengesellschaften. [56] Diesem Tatbestand hat sich die Osteuropäische Geschichte nicht verschlossen. Der Wandel von der vormodernen Gesellschaft mit überwiegender face-to-face Kommunikation im öffentlichen Raum hin zur zirkulierenden Verständigung, mittels derer sich soziale Beziehungen und Macht in (massen-)medialisierten Kommunikationsräumen reproduzieren, wird durch die osteuropabezogene Forschung aufmerksam dokumentiert.

Viertens schließlich ist die Raumaneignung Thema: Personen, Gruppen oder Staaten eignen sich private, öffentliche oder territoriale Räume an. Die Sprache des Körpers unterscheidet kinetische und proxemische Zeichensysteme und führt zu Interaktions- und Aneignungsdifferenzen von Personen (etwa am russischen Zarenhof des 17. und 18. Jahrhunderts). [33] Religiös, ethnisch, national oder sozial determinierte Gruppen verfolgen spezifische Integrationsstrategien, nicht selten unter Exklusion anderer Gruppen. Staaten kolonisieren Räume, eigenen sich unter Einsatz von Technik natürliche Räume an; die jüngste Arbeit von Jörg Baberowski zeigt dies am Beispiel des Kaukasus. Den materiellen und symbolischen Ressourcen kommt bei der Raumaneignung eine maßgebliche Bedeutung zu, wie in Baberowskis Ausführungen zur Kampagne gegen den Tschador, der traditionellen Verhüllung der muslimischen Frauen um das Jahr 1928 deutlich wird, einem Element der sowjetischen "Zivilisierungspolitik" an der kaukasischen Peripherie. [34] Der zuletzt von Karl Schlögel eingeforderte spatial turn darf nicht als Mode mißverstanden werden. Vielmehr geht es Schlögel um nicht weniger als um eine Wende in der Geschichtsschreibung selbst. [35] Historiker werden ermuntert, ihre Sinne zu gebrauchen, um die Mehrdimensionalität des historischen Raumes zu erfassen. Der Untersuchungsraum der Kulturgeschichte hat mehrere Dimensionen:

  • Der visuelle Raum mit seinen normativen Inszenierungen (des Staates oder der Kirche), seinen Abbildungen sozialer, ethnischer oder politischer Beziehungen, seinen Bilderwelten, die sich in Kleidung, Mode und künstlerischen Realitätsverarbeitungen keinesfalls erschöpfen.

  • Der akustische Raum (soundscape), den im Mittelalter und Neuzeit die Glocken oder die Rhythmen der Manufakturarbeit beherrschten [36], der mit dem Eintritt in die Moderne von Industrieanlagen, Verkehrsmitteln und sich wandelnden Medien beherrscht wird.

  • Der transzendierte Raum der Religion und Ideologie, schließlich der Luft- und Weltraum als realer Bewegungsraum und ideologische Projektion, den Technik, Flugzeuge und Kosmonauten zu erobern trachteten.

 

Seit Julia Obertreis Arbeit mit dem Kapitel zur Hygiene hat der kulturgeschichtliche Raum eine weitere Dimension: die des Geruchs.

Räume wandeln sich. Die Dynamik ihres Wandels zu erfassen ist eine weitere Aufgabe der Kulturgeschichte. Moskau, so Karl Schlögel, habe nach 1991 eine "Verwandlung" im Sinne Kafkas erlebt. Die neue Textoberfläche, die Einblicke in tiefere Schichtungen und Sinnebenen vermittelt, etwa in die Lebensführung der Moskauer, die Architekturrevolution und die Denkmalskonkurrenzen soll den Historiker im Sinne Hegels ermuntern, die Welt mit "vernünftigen" Kategorien anzuschauen. Die neuen symbolischen Formen des Raumes geben nicht nur gegenwärtige, sondern auch historische Verhältnisse prei Technikgeschichte als Geschichte der sowjetischen Raumaneignung, als Projekt der Moderne, hat Konjunktur. In seiner Arbeit zum Bau der Moskauer Metro hat Dietmar Neutatz eine Synthese aus sozial-, technik- und kulturgeschichtlichen Methoden geliefert. [61] Andere Arbeiten, wie die von Klaus Gestwa zu den Großbaustellen der 1960er Jahre als Symbole sozialistischer Machbarkeitsutopien [37], von Susanne Schattenberg über die Sowjetunion als technische Utopie oder die Studie Johannes Grützmachers zum Mythos und Scheitern der Bajkal-Amur-Magistrale als Mobilisierungsprojekt der Brežnev-Ära werden diesem Forschungsfeld neues Profil verleihen. [63]

 

3. Ausblick

Die Debatte um methodische Perspektiven unseres Faches hat ihre eigene Sprache und eine bemerkenswerte Metaphernwelt hervorgebracht. Unvergessen ist der Satz von Stefan Troebst:

Muß wirklich jede durchs global village getriebene kulturalistische Sau frenetisch beklatscht, jeder mikrohistorische Geßlerhut gegrüßt und jeder linguistic turn pflichtschuldigst mitvollzogen werden? Anstelle eifernden Entweder-Oders verspricht auch hier abwägendes Sowohl-als-Auch weit mehr Erkenntnisgewinn – der nächste Generations- und Paradigmenwechsel kommt bestimmt. [38]

Im Kern hat Stefan Troebst fraglos recht. Es geht nicht um einen Trend, sondern um das Bemühen, neue Fragen an neue, aber auch an alte Quellenbestände zu stellen; soziale, politische oder nationale Konstellationen auf ihre kulturelle Dimension zu befragen; dem Individuum als historischem Akteur Geltung zu verschaffen. Wenn symbolische Vorgänge Verweise auf andere Wirklichkeiten als diejenige der Alltagserfahrungen sind, [39] dann vermag Kulturgeschichte die Sinnwelten hinter diesen Erfahrungen zu rekonstruieren. Die östliche Welt wird neu vermessen, sagt Karl Schlögel. [66] Kulturgeschichte heißt danach auch, die Sinne neu gebrauchen zu lernen und mit "theoria" ("Anschauung") Dinge neu anzuschauen.

Einer kulturwissenschaftlichen Durchdringung bedarf die Außenpolitik. Das trifft für die zarische Außenpolitik ebenso zu wie für die sowjetische und postsowjetische. Die Osteuropäische Geschichte hat ihren Paulmann noch nicht gefunden. [67] Es zeigt sich aber, daß für die komplexe Charakterisierung von zwischenstaatlichen Beziehungen das Archiv des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten, das GARF, das RGASPI, das RGAĖ sowie das RGVA heranzuziehen sind. [40] Vor allem aus den internen Protokollen der Botschaften sowie persönlichen Aufzeichnungen von Diplomaten lassen sich neue Fragen an die Diplomatiegeschichte richten. Welchen Charakter hatten die ersten diplomatischen Begegnungen? Welches waren die Gesprächsthemen beim Abendessen und am Rande der offiziellen Gespräche? Wie sind die persönlichen Beziehungen der Botschafter zu den jeweiligen Regierungen einzuschätzen? Die erweiterte Quellenbasis wird der Außenpolitikhistoriographie nur dann zur Profilierung verhelfen, wenn sie bereit ist, auch kulturwissenschaftliche Fragestellungen einzubeziehen. [41]

Für die Geschichte der Kommunistischen Internationale werden durch neue Quellenbestände Netzwerkanalysen ermöglicht. Die Partei- und Regierungsbürokratien, die Rolle Stalins, die außenpolitische Gesamtsituation, der Komintern-Apparat in den 1930er und 1940er Jahren und während des Zweiten Weltkriegs sowie schließlich die Bereiche Militär und Geheimdienste können im Zusammenhang betrachtet werden. Dabei wird es wichtig sein, die unterschiedlichen geographischen, politischen und sozialen Verhältnisse ebenso wie die verschiedenen kulturellen Codes einzubeziehen, die sich nunmehr allesamt durch neue Archivdokumente erschließen lassen. Erst durch die vergleichende Arbeit an Beständen dieser komplementären oder konfrontativ und zum Teil über große geographische Distanzen agierenden Institutionen und Bereiche, wird man künftig die Geschichte der Komintern präziser beschreiben können.[42]

Ein drittes Themenfeld ist die Geschichte der Nachkriegszeit. Nach der intensiven Erforschung des Zweiten Weltkriegs und des Stalinismus mehren sich die Anzeichen, daß die sowjetische Nachkriegsgesellschaft sowie die 1960er und 1970er Jahre, das "goldene Zeitalter" der Sowjetunion" (Stefan Plaggenborg), die künftige Sowjetunionforschung bestimmen werden. Band 5 des "Handbuches der Geschichte Rußlands" (1945-1991) steckt dabei den zeitlichen Rahmen für die neue thematische Orientierung. [71]

Eine neue Heterogenität, Unübersichtlichkeit und Komplexität historischer Phänomene wird durch kulturgeschichtliches Herangehen offenkundig. Geschichtsschreibung, die sich an kulturwissenschaftlichen Erkenntnishorizonten orientiert, ist weniger eine Historiographie der Eindeutigkeit, als eine Geschichte der Differenzen, der nationalen, politischen und ökonomischen Brüche. Die subjektive Lebenswelt von Personen und Gruppen post factum und post mortem zu beschreiben, ist Anspruch und zentrales quellenkritisches Problem dieses Ansatzes zugleich. Manfred Hildermeiers Vorschlag, strukturell-sozialgeschichtliche und subjektiv-kulturgeschichtliche Betrachtungsweisen miteinander zu verbinden, ist ein zunftbezogener und methodischer Kompromißvorschlag. [43]

Die Orientierungsnöte der historischen Osteuropaforschung, die Mitte der 1990er konstatiert wurden, sind noch nicht gänzlich überwunden. [73] Die Standortbestimmung nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, der wachsende Konkurrenzdruck im Streit um öffentliche Mittel, die Fach- und Methodendiskussionen halten das Fach vorläufig in Atem. Wenn es den Osteuropahistorikern gelingt, sich des neuen Methodenspektrums routiniert und dem Charakter der Quellen angemessen zu bedienen, aber auch Geschichte zu erzählen und die Quellen in ihrer kulturellen Dimension zum Sprechen zu bringen, wird sich die Konkurrenzfähigkeit der Osteuropäischen Geschichte weiter erhöhen.

Rainer Lindner (1966) Dr. phil. Historiker, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Konstanz. Der Beitrag erschien zuerst in Osteuropa, 53. Jg., 12/2003, 1757–1771.

 

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Stand: Februar 2004
Letzte Änderung: 10.2.2004
mail-Adresse des Autors: R.Lindner@t-online.de
Digitales Handbuch zur Geschichte und Kultur Russlands 

 
 

 

 


 

 

 

[1]  Exemplarisch Dittmar Dahlmann, Wilfried Potthoff (Hg.): Mythen, Symbole und Rituale.

[2]  Die Diskussion entspann sich an dem Aufsatz von Jörg Baberowski: Das Ende der Osteuropäischen Geschichte, 784–799. – Eine Auswahl der Beiträge zu dieser Debatte bietet der Sammelband von Stefan Creuzberger u.a. (Hg.): Wohin steuert die Osteuropaforschung?
[3]  Stefan Creuzberger, Rainer Lindner (Hrsg.): Russische Archive und Geschichtswissenschaft.
[4]  George H. Mead: Geist, Identität, Gesellschaft; Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handeln
[5]  Karl Schlögel: Moskau lesen. Die Stadt als Buch.
[6]  Roland Barthes: L'empire des signes; dt. ders: Das Reich der Zeichen.
[7]  Clifford Geertz: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme.
[8]  Peter L. Berger, Thomas Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, 111.
[9]  Karl Schlögel: Kommunalka - oder Kommunismus als Lebensform, 338.
[10]  Dietrich Geyer: Osteuropäische Geschichte und das Ende der kommunistischen Zeit, 44.
[11]  Auf diese Gefahren hat Stefan Plaggenborg in einer Rezension von Sheila Fitzpatricks Band "Everyday Stalinism" (in: HA 8/2001, 256–258) hingewiesen.
[12]  Christoph Schmidt: Zur Kritik historischer Relevanz. Am Beispiel der Geschichte Osteuropas, 557.
[13]  Arjun Appaduraj: Modernity at Large: Cultural Dimensions of Globalization, 89ff.
[14]  Trude Maurer, Eva Maria Auch (Hg.): Leben in zwei Kulturen. Akkulturation und Selbstbehauptung von Nichtrussen im Zarenreich; Susi Frank, Jörg Gebhard, Rainer Lindner: Kulturkontakte: Akkulturation, Assimilation, Aneignung, Integration.
[15]  Vgl. u.a. Guido Hausmann: Universität und städtische Gesellschaft in Odessa, 1865 – 1917; Christian Noack: Muslimischer Nationalismus im russischen Reich. Nationsbildung und Nationalbewegung bei Tataren und Baschkiren.
[16]  Bianka Pietrow-Ennker (Hg.): Kultur in der Geschichte Rußlands und der Sowjetunion.
[17]  Siehe zuletzt etwa das komparativ angelegte Themenheft Staatssymbolik und Geschichtskultur, in: "Osteuropa", 7/2003.
[18]  Ute Daniel: Kompendium Kulturgeschichte. Theorien, Praxis, Schlüsselwörter, 14.
[19]  Lynn Hunt: The New Cultural History; Victoria E. Bonneli, Lynn Hunt (Hg.) Beyond the Cultural Turn.
[20]  Heide Wunder: Kulturgeschichte, Mentalitätengeschichte, Historische Anthropologie, 65–86.
[21]  Max Weber: Die "Objektivität" sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis (1904), 146‑214.
[22]  Marcel Mauss: Soziologie und Anthropologie, Bd. 2. Vgl. Ludwig Steindorff: Mehr als eine Frage der Ehre. – Zum Stifterverhalten Zar Ivans des Schrecklichen, 342–366; Waltraud Bayer: Bürgerliche Mäzene als Forschungsproblem, 101–115; die : Sammeln für Armenien. Private Kunstkollektionen in Erevan, 618–631.
[23]  Hans Medick: Quo Vadis Historische Anthropologie? Geschichtsforschung zwischen Historischer Kulturwissenschaft und Mikro-Historie, 83.
[24]  James H. Billington: The Icon and the Axe.
[25]  Wolfgang Hartwig, Hans-Ulrich Wehler: Einleitung, in: die (Hg.) Kulturgeschichte heute. Göttingen 1996, 7–13.
[26]  Hans-Ulrich Wehler: Geschichte - von unten gesehen, in: Die Zeit, 3.5.1985, 64. – Martin Broszat: Plädoyer für Alltagsgeschichte. Eine Replik auf Jürgen Kocka, 1244–1248.
[27]  Rudolf Vierhaus: Die Rekonstruktion historischer Lebenswelten. Probleme moderner Kulturgeschichtsschreibung, hier 11.
[28]  Matthias Stadelmann: Das revolutionäre Rußland in der Neuen Kulturgeschichte.
[29]  Manfred Hildermeier: Osteuropäische Geschichte an der Wende. Anmerkungen aus wohlwollender Distanz, 244–255. Stefan Plaggenborg: Grundprobleme der Kulturgeschichte der sowjetischen Zwischenkriegszeit, 109–118.
[30]  Jörg Baberowski: Die Entdeckung des Unbekannten, 13.
[31]  Carsten Goehrke: Russischer Alltag. Eine Geschichte in neun Zeitbildern (Vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart), Bd. 1 Die Vormoderne, Bd. 2: Aufbruch in die Moderne, Zürich 2003. Band 3 wird für das Jahr 2004 erwartet und umfaßt das 20. Jahrhundert.
[32]  Die "Rückkehr der Erzählung" forderte zuerst Lawrence Stone: The Revival of the Narrative. Reflections on a New Old History, 3–24.
[33]  Manfred Hellmann u.a. (Hg.): Handbuch der Geschichte Rußlands, Bd. 5, hg. von Stefan Plaggenborg, 1945–1991. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion, Halbbd. 1.
[34]  Mark Edele: Strange Young Men in Stalin's Moscow: The Birth and Life of the Stiliagi, 1945-1953, 37–61.
[35]  Vgl. die Schlußdiskussion unter www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/geschichte/kgdoe
[36]  Julia Obertreis: "Tränen des Sozialismus".
[37]  Schlögel, Kommunalka.
[38]  Dietrich Beyrau (Hg.): Der Krieg in religiösen und nationalen Deutungen der Neuzeit.
[39]  Stéphane Courtois u.a. (Hg.): Das Schwarzbuch des Kommunismus: Unterdrückung, Verbrechen und Terror.
[40]  Anne Applebaum: GULag: A History. New York 2003, dt. Der Gulag. Berlin 2003. Die ersten russischen Gesamtdarstellungen: G.M. Ivanova: GULAG v sisteme totalitarnogo gosudarstva; Sistema ispravitel'no-trudovych lagerej v SSSR, 1923–1960.
[41]  Vgl. Vladimir A. Kozlov: Denunciation and Its Functions in Soviet Governance: A Study of Denunciations and their Bureaucratic Handling from Soviet Police Archives, 1944–1953, 867–898.
[42]  Frithjof Benjamin Schenk: Aleksandr Nevskij im russischen kulturellen Gedächtnis. Geschichtsbilder und Konzepte kollektiver Identität 1263-2000.
[43]  Benno Ennker: Die Anfänge des Leninkults in der Sowjetunion; Stepan F. Podlubnyj: Tagebuch aus Moskau.
[44]  Karsten Brüggemann: Von Krieg zu Krieg, von Sieg zu Sieg; Matthias Stadelmann: Isaak Dunaevskij – Sänger des Volke
[45]  Frederick Starr: Red and Hot. The Fate of Jazz in the Soviet Union 1917–1980.
[46]  Guido Hausmann: Die wohlhabenden Odessaer Kaufleute und Unternehmer. Zur Herausbildung bürgerlicher Identitäten im ausgehenden Zarenreich, 41–65
[47]  Rainer Lindner: Vom "Petersburg des Südens" zur Unternehmerstadt.
[48]  Dietrich Beyrau: Macht und öffentliche Räume im Sozialismus. Einführung, 161–162
[49]  Thomas Bohn: Das "neue" Minsk - Aufbau einer sozialistischen Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Dietrich Beyrau, Rainer Lindner (Hg.): Handbuch der Geschichte Weißrußland 319–332.
[50]  Malte Rolf: Sovetskij massovoj prazdnik v Voroneže i central'no-černozemnoj oblasti Rossii, 1927-1932; der : Constructing a Soviet Time: Bolshevik Festivals and their Rivals during the First Five-Year-Plan. A Study of the Central Black Earth Region, 447–473; der Feste der Einheit und Schauspiele der Partizipation. Die Inszenierung von Öffentlichkeit in der Sowjetunion um 1930, 163–171.
[51]  Lutz Häfner: Städtische Eliten und ihre Selbstinszenierung. Die Dreihundertjahrfeier Saratovs 1891, 17–40.
[52]  Christoph Mick: Wer verteidigte Lemberg? Totengedenken, Kriegsdeutungen und nationale Identität in einer multiethnischen Stadt.
[53]  Neuere Arbeiten zur Erinnerungs- und Symbolpolitik: Rainer Lindner: Historiker und Herrschaft. Nationsbildung und Geschichtspolitik in Weißrußland im 19. und 20. Jahrhundert; Isabelle de Keghel: Der Wiederaufbau der Moskauer Erlöserkathedrale. Überlegungen zur Rekonstruktion und Repräsentation nationaler Identität in Rußland,, 211–232; Jana Bürgers: Bohdan Chmel'nyc'kyj und der Kosakenmythos in der postsowjetischen Ukraine, 62–86.
[54]  Ingrid Schierle: Zur politisch-sozialen Begriffssprache der Regierung Katharinas II. Gesellschaft und Gesellschaften: "obščestvo", 275–306.
[55]  Vgl. den Vortrag von Birgit Menzel: "Literatur als Kulturwissenschaft. Überlegungen am Beispiel der russischen Science fiction" auf der Konstanzer Tagung: Neue kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die Geschichte Russlands und der Sowjetunion, 14.06.2002. – V.M. Mokienko, T.G. Nikitina: Tolkovyj slovar' jazyka Sovdepii.
[56]  Bernd Weisbrod: Medien als symbolische Form der Massengesellschaft. Die medialen Bedingungen von Öffentlichkeit im 20. Jahrhundert, 271-283.
[57]  Dmitri Zakharine: Russische 'Ehrenmänner' und 'Degenkavaliere'. Ein Beispiel erfundener Tradition und fiktiver Kontinuität, 259–282.
[58]  Jörg Baberowski: Auf der Suche nach Eindeutigkeit: Kolonialismus und zivilisatorische Mission im Zarenreich und in der Sowjetunion 482–504; der : Der Feind ist überall. Stalinismus im Kaukasus, hier 633–662. ("Nieder mit dem Tschador." Kulturrevolution und Frauenemanzipation).
[59]  Grundlegend: Karl Schlögel: Kartenlesen, Raumdenken. Von einer Erneuerung der Geschichtsschreibung, 308–818; der : Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik.
[60]  Allain Corbin: Village Bell Sound and Meaning in the 19th-century; David Garrioch: Sounds of the city: the soundscape of early modern European towns, 5–27. Für die osteuropäische Geschichte, vor allem für die Geschichte des 20. Jahrhundert steht eine ähnliche Arbeit noch aus.
[61]  Dietmar Neutatz: Die Moskauer Metro. Von den ersten Plänen bis zur Großbaustelle des Stalinismus (1897-1935).
[62]  Klaus Gestwa: Archivrecherchen zur sowjetischen Technik- um Umweltgeschichte in Novosibirsk, 937-948.
[63]  Johannes Grützmacher: Vielerlei Öffentlichkeiten: Die Bajkal-Amur-Magistrale als Mobilisierungsprojekt der Breznev-Ära, 205-223.
[64]  Stefan Troebst: Ende oder Wende? Historische Osteuropaforschung in Deutschland. Vier Anmerkungen zu Jörg Baberowski, 56–63.
[65]  Berger, Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion, 102.
[66]  Karl Schlögel: Im Raume lesen wir die Zeit.
[67]  Johannes Paulmann: Pomp und Politik. Monarchenbegegnungen in Europa zwischen Ancien Régime und Erstem Weltkrieg.
[68]  G.N. Sevostjanov: Moskva-Washington. Diplomatičeskie otnošenija 1933–1936. In einzelnen Editionen zu bilateralen Staatenbeziehungen sind erstmals Dokumente der höchsten Geheimhaltungsstufe eingegangen, etwa für die Beziehungen mit Polen in der Zwischenkriegszeit bis zum Beginn der Deportationen aus den westbelarussischen und westukrainischen Gebieten: Materialy "osoboj papki" Politbjuro CK RKP(b)-VKP(b) po voprosu sovetsko-pol'skich otnošenij, 1923–1944 gg. Red. I.I. Kostjučko. Moskva 1997.
[69]  Siehe das Plädoyer von Jörg Baberowski: Arbeit an der Geschichte. Vom Umgang mit den Archiven, in: Creuzberger, Lindner: Russische Archive, 13–36
[70]  Stefan Creuzberger, Rainer Lindner: Das Geheimnis der Archive. Perspektiven historiographischer Sowjetunionforschung. Eine Synthese, in: die : Russische Archive, 297–313.
[71]  Der Untersuchungsrahmen bei Nikolaus Katzer: Die belagerte Festung. Wiederaufbau, Nachkriegsgesellschaft und innerer Kalter Krieg in der Sowjetunion, 1945 bis 1953, 280–299. – Elena Zubkova: Die sowjetische Gesellschaft nach dem Krieg. Lage und Stimmung der Bevölkerung 1945/46, 363–383.
[72]  Hildermeier: Osteuropäische Geschichte.
[73]  Geyer: Osteuropäische Geschichte, 16.

 

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Inhalt:
1. Was leistet die Kulturgeschichte?
2. Russische Geschichte als Kulturgeschichte
3. Ausblick
4. Bibliografie

   

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