Hinter dem einzigartigen deutsch-russischen Forschungs- und Dokumentationsprojekt Werben für die Utopie. Russische Plakatkunst des 20. Jahrhunderts stehen das Lotman-Institut Bochum und die Russische Staatsbibliothek Moskau. Zum Ziel haben sich die Organisatoren gesetzt, eine nahezu als utopisch zu bezeichnende Vision in die Tat umzusetzen: nämlich eine umfassende Dokumentation und Erforschung der russischen und sowjetischen Plakatkunst der letzten 150 Jahre zu leisten. Die Umsetzung dieses Ziels dauerte fast 12 Jahre und die Resultate lassen sich sehen. Zunächst war 2003 im Museum Folkwang (Essen) eine Ausstellung mit über 100 Meisterwerken der russischen und sowjetischen Plakatkunst aus der Sammlung der Russischen Staatsbibliothek in Moskau zu bewundern (etwa von Majakovskij, El Lissitzky oder Rodchenko). Nun sind die Plakate selbst sowie die zahlreichen Ergebnisse der geleisteten Forschung auch virtuell zugänglich. Neben allgemeinen Informationen über die Entstehungsgeschichte des Projektes in deutscher und russischer Sprache (unter ‚Informationen’) besteht der virtuelle Auftritt im wesentlichen aus drei Schwerpunkten. Zuerst können unter der Rubrik ‚Ausstellungen’ die Plakate selbst aufgerufen werden. Durch das Anklicken eines der Bilder gelangt man zum zweiten Schwerpunkt, dem Plakatarchiv (oder über die Navigationsleiste am oberen Bildschirmrand). Hier hat der Benutzer zahlreiche Möglichkeiten, an weitere Informationen zu gelangen. Über die Navigierbox kann zwischen fünf verschiedenen Recherchemodi ausgewählt werden: 1. Die Künstlerliste bietet ein alphabetisches Verzeichnis aller berücksichtigten Künstler. Zu den einzelnen Künstlern existieren die genauen Lebensangaben, die Biographien, die Genres, in welchen sich der Künstler betätigt hat, einige Beispiele seines Oeuvres - sowie sein Porträt. 2. Die zweite Option ist die Suche in der Titelliste. Hier sind in alphabetischer Reihenfolge ebenfalls alle Plakate angeführt; durch das Anklicken eines Titels erscheint in der linken Spalte das Plakat selbst. Auch hier stehen Angaben zum Künstler, Entstehungszeit etc. zur Verfügung. 3. Die dritte Recherchemöglichkeit ist die Suche über eine chronologische Liste. Wählt man diese aus, so öffnet sich ein Verzeichnis aller Jahre, in welchen Plakate entstanden sind. Wird ein bestimmtes Jahr ausgewählt, so erscheinen alle Plakate, die in diesem Jahr entstanden sind. 4. Ein großer Gewinn für den Besucher der Seite stellen die wissenschaftlichen Begleittexte dar - eine Informationsquelle, was man gewöhnlich bei Plakat- und Bildsammlungen im Internet vermisst. Die Aufsätze erfassen historische und kunsthistorische Aspekte. 5. Die fünfte und letzte Möglichkeit sind die Präsentationen. In Form von Flash-Animationen werden thematisch zusammenhängende Plakate präsentiert, wie z.B. ‚das frühe Revolutionsplakat in Theorie und Praxis’ oder ‚Agitation im 2. Weltkrieg’. Ein dritter Schwerpunkt von russianposter.ru ist das eigens eingerichtete interaktive Studienzentrum. Im Moment stehen von vier geplanten Bereichen zwei zur Verfügung, nämlich das ‚Kulturfahrplan des russischen Plakats’ und ‚Themen & Ressourcen’. Beim Kulturfahrplan handelt es sich um sechs Themenbereiche: Politik, Sozialgeschichte, wichtige Plakate, Stilkunde, Ikonographie & Thematik, Praxis & Wirkung. Dabei wird zwischen drei Epochen unterschieden - die Jahre um 1895, 1905 und 1916. So kann bei der Recherche jedes Thema mit einer bestimmten Epoche kombiniert werden - z.B. Stilkunde um 1916 oder Politik um 1905. An diesen Schnittstellen sind die entsprechenden Plakate abgebildet - wird der Mauszeiger über einem Plakat geführt, vergrößert sich das Bild und es erscheint eine Auswahl an verfügbaren dazugehörigen Informationen. Unter der Rubrik ‚Themen&Ressourcen’ finden sich weitere Aufsätze zu den unterschiedlichsten Themen rund um die Plakatkunst. Zwei weitere Rubriken, ‚Forum’ und ‚Kurse’ sind im Moment noch nicht verfügbar.
24.11.2004


Start


